Patientenbeitrag

Aufgrund ihrer KHK arbeitete Anne Haupt zunächst halbtags, ließ sich dann jedoch mit einer Erwerbsminderungsrente berenten



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Nach der Herz-OP, von der ich mir viel erwartet hatte, ging es mir schlechter als zuvor, was mich psychisch sehr stark runtergezogen hat. Es ging mir sehr schlecht. Ich habe dann aber versucht wieder anzuknüpfen. Ich wollte halt, dass ich wieder dort weitermachen kann, wo ich aufgehört hatte, als ich operiert worden war. Und dann bin ich mit diesem Hamburger Modell wieder eingestiegen. Erst mal vier Stunden am Tag und das ging eher schlecht als recht. Aber ich hatte wirklich den großen Vorteil, dass ich ein sehr gutes Betriebsklima und auch sehr verständnisvolle Vorgesetzte hatte. Ich habe mich mehr unter Leistungsdruck gesetzt als mein gesamtes betriebliches Umfeld. Da kommt diese starke Identifikation an meine Leistungsfähigkeit erschwerend hinzu. Ich habe mich also sehr über meine Leistung definiert und die war jetzt nicht mehr da. Ich hatte dann schon mal versucht auf sechs Stunden zu gehen und habe dann aber gesagt, „ich schaffe das nicht“. Von der Kraft her war das nicht mehr möglich. Und am Ende des Jahres, als ich also immer wieder diese vier Stunden praktiziert habe, hat mein Arzt gesagt: „Wir brechen das Modell jetzt ab. Das geht nicht, Sie kommen nicht mehr auf diese volle Leistungsfähigkeit.“ Und dann bin ich zum Arbeitgeber und wir haben ausgehandelt, dass ich jetzt erst mal halbtags arbeite. Ich muss dazu sagen, ich habe dann, nachdem ich nur noch halbtags arbeiten konnte, eine teilweise Erwerbsminderungsrente beantragt. Das wusste ich selber gar nicht, das hat mir mein Arbeitgeber gesagt: „Ja wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeiten können, dann können Sie das machen.“ Das habe ich getan und das ist auch bewilligt worden. Und nachdem ich also zwei Jahre diese Teilerwerbsminderungsrente und diese halbe Stelle so gelebt hatte, habe ich dann aufgrund dieser immer stärkeren Arbeitsverdichtung gesagt: „Ich schaffe das auf Dauer nicht, außer dass ich dann einen Herzinfarkt bekomme und…“ Jetzt bin ich inzwischen auch sehr viel sensibler geworden, ich habe vorher gar nicht mitgekriegt, was da in meinem Körper passierte. Jetzt sehr wohl und deswegen habe ich dann die volle Erwerbsminderungsrente beantragt. Ich habe mir also professionelle Hilfe geholt als es um die Verrentung ging mit dem VDK. Also da habe ich mir die rechtliche Seite abgesichert, die haben mir gesagt, wie ich was angehen muss. Ich habe mir medizinische Hilfe von meinem Hausarzt geholt, der musste mich nämlich auch krankschreiben. Und die Krankschreibung ging dann im Grunde fast ein ganzes Jahr. Im November 2007 wurde ich rückwirkend auf Januar 2007 verrentet. Und dafür bin ich sehr dankbar, weil diese Arbeitswelt sehr stressig geworden ist. Und mit meinem Persönlichkeitsprofil, die ich mich selber immer sehr unter Leistungsdruck setze, dieser perfektionistische Hang, immer ein bisschen besser sein zu wollen als andere, das ist natürlich dann eine sehr schlechte Kombination bei meiner Erkrankung. Und diesen Stress konnte ich dann tatsächlich abgeben.

 

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 26.04.2012 geführt.

Anne Haupt ist 59 Jahre alt. Aufgrund einer familiären Vorbelastung ließ Anne Haupt vor acht Jahren ihr Herz untersuchen – eine KHK wurde festgestellt und drei Bypässe gesetzt. Bis dahin ein Bewegungsmuffel, fing Anne Haupt aufgrund der Diagnose an, regelmäßig Sport zu treiben und sich nach den fettarmen und vegetarischen Empfehlungen von Dean Ornish zu ernähren. Außerdem reduzierte sie deutlich Stress in ihrem Leben: Sie wurde früh berentet, machte eine Psychotherapie und arbeitet daran, sich die Probleme anderer nicht mehr zu sehr zu Herzen zu nehmen.

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