Patientenbeitrag

Wenn er seinen Schweinehund nicht überwinden kann, nimmt sich Rainer Knopp das nicht übel



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Ich kenne viele Menschen, die sagen: „Ich habe keine Zeit“. Ich könnte es nicht so formulieren, weil ich glaube, dass ich durchaus diese Zeit habe. Ich muss sie mir einfach nur nehmen. Also Zeit ist grundsätzlich da. Und wenn ich sage, das ist mir wichtig, dann mache ich das. Wenn nicht, dann mache ich es halt nicht.

Auch da ist es, muss ich ganz ehrlich sagen, phasenweise so, dass wir es wirklich zwei, drei Mal die Woche schaffen, wie wir es uns vornehmen, und es gibt auch Lebenshasen, da geht es einfach nicht. Also es würde gehen, aber wir tun es nicht. Das ist immer verbunden mit dem inneren Schweinehund oder mit dem inneren Gefühl „ach, ich bin jetzt müde, erschöpft“. Es sind so viele Themen, die manchmal sehr im Vordergrund stehen, die immer wieder so ein bisschen ablenken. Und ich glaube, dieses Gefühl, „ich muss jetzt wieder was für mich tun“ wird dann hinten angestellt. Irgendwann ist es wieder da, wie jetzt auch gerade, wo wir gesagt haben, „so wir müssen jetzt wieder.“ und dann gehen wir auch wieder. Wir setzen das schon immer wieder um, aber ich merke, es gibt immer auch so Talsohlen, wo wir sagen: „Das vernachlässigen wir trotz der Kenntnis, wie wichtig das ist.“ Ich glaube, das ist ziemlich menschliches Verhalten. Uns ist das klar. Ich glaube, das Wichtige für mich, das kann ich nur für mich selber sagen, ist, dass das für mich in Ordnung ist, dass es so ist. Dass ich mich nicht selber noch anklage und sage, „jetzt hast du wieder zwei Wochen nichts gemacht“. Das ist nicht meins. Und ich glaube auch, das würde mir schaden. So sehe ich die Dinge a uch nicht. Ich sage: „Ja, die zwei Wochen waren es jetzt nicht oder drei – aber jetzt!“ Und es liegt eh an mir und ich finde es gut, die Dinge nicht wirklich zu beurteilen, auch für mich selber nicht abzuwerten, sondern eher aus dieser Abwertung rauszukommen und zu sagen, „mach es jetzt“. So und meistens klappt es dann auch irgendwie irgendwann.

Rainer Knopp
Das Interview wurde am 02.05.2012 geführt.

Rainer Knopp ist 52 Jahre alt. Vor fünf Jahren wurden ihm zwei Stents gesetzt. Daraufhin setzte sich Rainer Knopp intensiv mit der Erkrankung auseinander und stieß auf das Therapie-Konzept von Dean Ornish. In Anlehnung an die Ornish-Therapie hat Rainer Knopp seine Ernährung auf fettarme, vegetarische Kost umgestellt, trifft sich regelmäßig mit anderen Patienten in einer Selbsthilfegruppe und geht mit seiner Partnerin ins Fitnessstudio. Durch tägliche Meditation und Atemtechniken gleicht Rainer Knopp Stress aus und arbeitet daran, gelassener zu werden.

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