Patientenbeitrag

Durch die Meditation hat Rainer Knopp zu einer neuen Gelassenheit gefunden



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Es ist landläufig oft so, dass wir in der Meditation davon sprechen, dass wir ruhiger werden. Das ist es eigentlich gar nicht. Sondern ich glaube, die Sicht auf das Leben verändert sich sehr stark. Also das, was ich meinem Leben früher an Bedeutung gegeben habe, also immer das Gehetze von Punkt A nach B, „das und das ist noch zu erledigen und das und das ist zu machen“… Das war immer so ein Lebensplan, all das schon mal im Blick zu haben, um das zu koordinieren, zu strukturieren und daran festzuhalten. Ich glaube, die Meditation hat mir viel deutlicher gemacht, dass es ganz sinnvoll ist, erst mal die Dinge im Blick zu haben, aber immer in Ruhe und nacheinander zu machen und es keinen Sinn macht, jetzt schon daran zu denken, was morgen alles ist. Oder in Befürchtungen hineinzugehen – das ist mir auch sehr deutlich geworden, dass 90 Prozent aller Gedanken, die ich vorweg zu einer Situation habe, niemals eintreten. Das ist wirklich enorm. Und dann zu lernen, sich davon zu lösen von diesen Gedankenkonstrukten… ich glaube, das ist auch eine Aufgabe der Meditation, Menschen diese klare Sicht zu vermitteln: Wir gestalten durch unsere Gedanken permanent unser Leben. Permanent. Und eigentlich oftmals wirklich in einer Täuschung, weil die Dinge, die wir vorhersehen oder die uns bedrohlich erscheinen, niemals bedrohlich sind. Und das beruhigt enorm. Das führt zu einer Gelassenheit. So erlebe ich das immer wieder.

Zu fast jeder Situation habe ich sofort auch immer ein Erleben: „Das ist gut, das ist schlecht.“ Wie unsinnig das ist, die Dinge wirklich so zu sehen, also immer in diesen Kategorien „gut oder schlecht“ oder „richtig oder falsch“, sondern zu lernen, zu akzeptieren, dass viele Dinge im Leben einfach sind. Und man muss da nicht mehr gegen kämpfen oder etwas ablehnen. Und das ist etwas, was ich für mich jeden Tag übe: Nichts mehr abzulehnen. Also weder Menschen, noch Situationen. Und das tut mir richtig gut. Und das erleichtert auch sehr, also ich merke einfach, Menschen nicht mehr abzuwerten oder gegen sie kämpfen zu müssen. Und das hat nichts mit Gehirnwäsche zu tun, sondern mit möglichen, erfahrbaren Erkenntnissen. Es ist nicht so, dass mir da etwas auffällt und ich sage „ja, so ist es“, sondern ich versuche die Dinge, die mir da auffallen in der Meditation, auch wirklich umzusetzen im Alltag und da zu überprüfen. Und da habe ich ja jeden Tag ohne Ende Möglichkeiten zu.

Rainer Knopp
Das Interview wurde am 02.05.2012 geführt.

Rainer Knopp ist 52 Jahre alt. Vor fünf Jahren wurden ihm zwei Stents gesetzt. Daraufhin setzte sich Rainer Knopp intensiv mit der Erkrankung auseinander und stieß auf das Therapie-Konzept von Dean Ornish. In Anlehnung an die Ornish-Therapie hat Rainer Knopp seine Ernährung auf fettarme, vegetarische Kost umgestellt, trifft sich regelmäßig mit anderen Patienten in einer Selbsthilfegruppe und geht mit seiner Partnerin ins Fitnessstudio. Durch tägliche Meditation und Atemtechniken gleicht Rainer Knopp Stress aus und arbeitet daran, gelassener zu werden.

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