Patientenbeitrag

Durch die Beschäftigung mit der stoischen Philosophie fand Christian Merk zu seiner Art der Stressreduktion



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38 war ich, als ich schwere Kardiomyopathie bekommen habe. Und ich hatte damals – ich weiß heute, dass das falsch war – [aber ich dachte,] dass bei dem Ausmaß an Kardiomyopathie noch eine Lebenserwartung von maximal fünf Jahren da ist. Ich habe damals daran geglaubt oder war davon überzeugt und dachte dann „naja, wenn du jetzt 38 bist und du musst mit 43 den Löffel hinlegen, dann beschäftige dich mal damit“. Nach dem Motto, „wenn ich mit 43 den Löffel hinlege, warum soll ich mich dann noch über irgendwas aufregen“? Da habe ich mich dann mit stoischer Philosophie beschäftigt und mit Stressbewältigung. Und das wichtigste Buch, was ich je gelesen habe, das stammt von Seneca und heißt „De brevitate vitae“ – „Über die Kürze des Lebens“. Das sind nur 20 Seiten oder so. Seneca hat seine Hauptschriften ja in Form von Briefen geschrieben und das kann ich nur jedem empfehlen zu lesen. Er beschreibt zum Beispiel jemanden, der immer in Hetze ist, so einen multitasking Manager des römischen Imperiums, wie er von einem Termin zum nächsten hetzt. Wie er das macht und das macht und das. Also eigentlich so einen ganz modernen Menschen. Und am Ende beschreibt er dann, nachdem der dann in hohem Alter gestorben ist – hohes Alter war bei den Römern 40 oder 45, das war die durchschnittliche Lebenserwartung – man wird nicht sagen können, er habe lange gelebt. Der ist nur lange da gewesen. Und das ist ein entscheidender Unterschied. Da habe ich also angeleitet über die stoische Philosophie ein bisschen gelesen und so bin ich dann zur Stressbewältigung gekommen. Ich habe mich dann relativ systematisch beschäftigt mit dem Lazarus-Ansatz, der Unterscheidung zwischen Stressoren, Bewältigungsmustern und Reaktionen. Und das Schöne daran war auch: Das war nicht nur eine Beschäftigung mit wissenschaftlichen Ergebnissen, ich habe das versucht umzusetzen, indem ich mir meine Strategie [ausgedacht habe]: Als ein eher ängstlicher Mensch, der so gebremst pessimistisch ist, war es für mich die beste Strategie, mir den Worst Case auszudenken, mir vorher zu überlegen „Was machst du wenn?“, um mich dann gewappnet zu fühlen gegenüber unangenehmen Ereignissen. Damit bin ich relativ geruhsam durchs Leben gekommen. Ich weiß, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit ziemlich gering ist, aber wenn etwas passiert, dann weiß ich, wie ich damit umzugehen habe. Was ich dann tue oder lasse.

Christian Merk
Das Interview wurde am 27.03.2012 geführt.

Christian Merk ist 64 Jahre alt. Bereits vor über 20 Jahren hatte Christian Merk eine akute Kardiomyopathie, welche der damals 38-Jährige durch eine umfassende Lebensstilveränderung innerhalb weniger Jahre in den Griff bekam. Vor vier Jahren jedoch wurde Christian Merk eine koronare Herzerkrankung diagnostiziert. Aufgrund vieler Jahre Rauchen leidet Christian Merk darüber hinaus unter einer schweren COPD. Er treibt für Herz und Lunge zweimal wöchentlich Lungensport, hat den Stress in seinem Leben reduziert und achtet – auch aufgrund seiner Diabetes – auf eine fleisch- und fettarme Ernährung. Durch seinen gesunden Lebensstil und die Rauchentwöhnung kann Christian Merk trotz seiner Krankheiten sein Leben genießen und seien Werte stabil halten.

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