Patientenbeitrag

Nachdem er von seiner schweren Herzmuskelerkrankung erfahren hat, lässt Christian Merk die Dinge langsam angehen



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Ich habe mir angewöhnt anstatt rumzurennen, nicht schnell zu gehen, sondern zu schreiten. Also wirklich langsam zu gehen. Das klingt ja fürchterlich blöd, wenn man das jemandem zum ersten Mal erzählt. Ich habe mir angewöhnt so zu gehen, mit angezogener Handbremse sozusagen. Und allein die Tatsache ruhig zu gehen, hat starke Auswirkungen auf den psychischen Zustand, in dem man sich befindet. Warum soll ich mich denn beeilen? Ich liege doch früh genug in der Kiste. Ja, also das so als Lebensmotto. Warum soll ich mich beeilen? In der dunklen Kiste liege ich doch früh genug. Warum soll ich mich beeilen. Und das habe ich mir immer wieder vor Augen geführt und das körperlich umgesetzt, indem ich nicht aufgeregt irgendwo herumrenne, sondern in Ruhe gehe. Einfach so etwas Schlichtes, Einfaches wie ruhiges Gehen führt bei mir auch zu einer Stabilisierung. Ich rege mich nicht so schnell auf über irgendwas. Mittlerweile rege ich mich über fast nichts mehr auf. Das heißt nicht, dass ich teilnahmslos in der Ecke sitze. Aber diese Grundhaltung, diese Frage: „Lohnt es sich, sich darüber aufzuregen, über X, Y oder Z?“ Diese Grundfrage ist mir immer noch präsent. Einfach die Frage, „Was mache ich mit dem Rest der Zeit, der mir zur Verfügung steht – ohne wissen zu können, wie groß dieser Rest noch ist?“ Dieses „Carpe diem“ steht bei vielen Leuten sozusagen an der Tür, wird immer übersetzt mit „nutze den Tag“. Das ist eine hanebüchene Fehlübersetzung, im Sinne von jede Minute ausnutzen, um irgendwelche Ziele zu erreichen. „Carpe“ kommt von „carpere“, das heißt „pflücken“. Also so, wie ich eine Rose vom Strauch abmache und die bewusst wahrnehme, so soll ich den Tag pflücken. Also den bewusst zu leben.

Christian Merk
Das Interview wurde am 27.03.2012 geführt.

Christian Merk ist 64 Jahre alt. Bereits vor über 20 Jahren hatte Christian Merk eine akute Kardiomyopathie, welche der damals 38-Jährige durch eine umfassende Lebensstilveränderung innerhalb weniger Jahre in den Griff bekam. Vor vier Jahren jedoch wurde Christian Merk eine koronare Herzerkrankung diagnostiziert. Aufgrund vieler Jahre Rauchen leidet Christian Merk darüber hinaus unter einer schweren COPD. Er treibt für Herz und Lunge zweimal wöchentlich Lungensport, hat den Stress in seinem Leben reduziert und achtet – auch aufgrund seiner Diabetes – auf eine fleisch- und fettarme Ernährung. Durch seinen gesunden Lebensstil und die Rauchentwöhnung kann Christian Merk trotz seiner Krankheiten sein Leben genießen und seien Werte stabil halten.

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