Patientenbeitrag

Mit Disziplin schafft es Ortwin Viererbe, seit 16 Jahren ohne erneute Herzoperation ein erfülltes Leben zu führen



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Selbstverständlich gibt es diesen inneren Schweinehund. Also wer sagt, das mache ich alles freiwillig, der lügt. Eine gewisse Disziplin benötigen Sie. Den kriegen Sie nicht raus. Das müssen Sie machen. Dieses Wort „muss“ ist dabei wichtig. Ich will leben, das ist eine Sache. Aber ich muss das machen, um zu leben. Das müssen Sie einhalten.

Also bei mir war es die Angst, wieder krank zu werden. Nach der Herzoperation ging es mir wirklich nicht gut. Meine Bypässe gingen zu. Und dieses Angstgefühl, dieses ganze Martyrium nochmal durchzumachen, das bringt ein doch dazu, zu überlegen. Wenn man vernünftig ist, sagt man nicht, „ist egal – die Ärzte müssen mich eben nochmal operieren“, sondern: „Warum muss ich das denn? Ich kann es eventuell auch anders schaffen.“ Wenn man das begreift und wenn man darauf hinarbeitet und sich Gedanken macht, was für einen Vorteil hast du, was für eine Lebensqualität, wenn du nicht wieder zu einer Operation gehst, sondern dich selbst bemühst etwas zu machen? Dann muss man doch vom Verstand her sagen, „Herr Gott nochmal, das ist doch zu schaffen“. Bei mir ist es so. Ich bin jetzt bald mittlerweile 16 Jahre nach der Herzoperation.

Es geht mir jetzt so gut, ich muss aufpassen, dass ich nicht übermütig werde. Aber das wandelt sich um in ein Glücksgefühl, dass es einem gut geht. Wissen Sie, wenn Sie hier heutzutage in Berlin durch die Straßen gehen und haben nach 800 Metern noch keine Herzenge und können weitergehen – und meine Frau sagt dann manchmal „lauf mir nicht weg“ – dann ist schon ein Vorteil. Das sage ich Ihnen ganz ehrlich. Und das bestärkt einen Menschen und dann schafft er das auch.

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 11.08.2012 geführt.

Ortwin Viererbe ist 73 Jahre alt. Vor fast 20 Jahren wurden ihm 4 Bypässe gelegt. Seitdem ernährt er sich fett- und fleischarm und dafür mit viel Obst und Gemüse. Er führte regelmäßige Spaziergänge in seinen Alltag ein, nahm deutlich ab und ging vorzeitig in den Ruhestand. Dass seine Lebensumstellung erfolgreich war, zeigte sich drei Jahre später: Bei einer Kontrolluntersuchung stellte sich heraus, dass sich vermutlich durch die neue Lebensweise Kollaterale gebildet hatten und der KHK entgegenwirken. Ortwin Viererbe lebt seit 10 Jahren in Spanien.

 

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