Patientenbeitrag

Für sich gut zu sorgen heißt für Anne Haupt auch, Hilfe in Anspruch zu nehmen



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Also als allererstes: Geduld mit sich selber zu haben, gnädig mit sich selber zu sein. Weil eine Lebensstiländerung ist kein Tagewerk. Das dauert, weil das einfach so große Veränderungen sind. Das ist eine Herkulesarbeit, wirklich wahr. Und deshalb sollte man also viel Geduld mit sich selber haben und gnädig zu sich sein. Wenn man das schon ist, wunderbar, dann braucht man das vielleicht nicht in dem Maße, aber ich brauchte das in jedem Fall. Und dann als nächstes, sich Hilfe holen. Das fällt dem ein oder anderen auch leichter, aber ich glaube, dass es vielen sehr schwer fällt, sich Hilfe zu holen, also sich einzugestehen, „ich bin hilfsbedürftig, ich brauche Hilfe“. Das kann eine Selbsthilfegruppe sein. Das kann ein Therapeut sein. Das kann ein Arzt sein. Das können auch Freunde sein. Hoffentlich immer die Freunde und die nächsten Angehörigen. So habe ich es Gott sei Dank erfahren, dass man wirklich Hilfe bekommt. Aber dass man die auch annimmt und dort, wo man sie nicht so automatisch bekommt, sich auch wirklich holt. Das hat dann auch etwas damit zu tun… die Einschätzung seiner selbst, wenn man also nicht so gut für sich gesorgt hat und davon gehe ich aus, sonst wäre ich nicht krank geworden, dass das bei allen chronischen Erkrankungen so ist, dass die Sorge um sich selber schlecht bestellt war. Dass man hier versucht, diese Einstellung hinzukriegen: Ich muss für mich selber sorgen. Wenn es nicht tue, es tut niemand für mich. Und diese Sorge heißt dann eben auch, sich Hilfe zu holen. Und ich denke, alles andere, wenn ich das erst einmal hin kriege, das ergibt sich dann. Das kommt dann.

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 26.04.2012 geführt.

Anne Haupt ist 59 Jahre alt. Aufgrund einer familiären Vorbelastung ließ Anne Haupt vor acht Jahren ihr Herz untersuchen – eine KHK wurde festgestellt und drei Bypässe gesetzt. Bis dahin ein Bewegungsmuffel, fing Anne Haupt aufgrund der Diagnose an, regelmäßig Sport zu treiben und sich nach den fettarmen und vegetarischen Empfehlungen von Dean Ornish zu ernähren. Außerdem reduzierte sie deutlich Stress in ihrem Leben: Sie wurde früh berentet, machte eine Psychotherapie und arbeitet daran, sich die Probleme anderer nicht mehr zu sehr zu Herzen zu nehmen.

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