Patientenbeitrag

Roland Neuner hat sich für sein Leben neue Ziele gesetzt



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Also für mich war klar, als ich im Krankenhaus war – ich weiß nicht, wie schlimm es um mich gestanden ist, ich denke mir immer es war nicht so schlimm, aber meine Frau sagt, es war sehr schlimm – und ich habe für mich gesagt: Ich kratze hier noch nicht ab, weil meine Familie noch nicht fertig ist. Ich kann jetzt noch nicht gehen, weil ich habe ein kleineres Kind und… nee! Ich weiß nicht, was die für Situationen haben oder was die motiviert in solchen Situationen dann im Endeffekt bewusst ihr Leben verlängern zu wollen. Ich weiß es nicht, ob mir das jetzt hilft, mein Leben zu verlängern. Das heißt im Endeffekt kann ich ja heute oder morgen genauso an einen Baum fahren und das war es dann. Also weiß niemand. Was sich für mich persönlich verändert hat, ist: Ich hebe mir das nicht mehr auf, ich tu es. Und kann dann sagen, „Ok, ich kann zufrieden ins Gras beißen“. Ja, also das ist für mich ein Lebensziel.
Ich habe das für mich dann so formuliert, bis zu meinem 50. Geburtstag: Ich schiebe nichts mehr auf. Was mich aufregt oder was mich nervt, wird sofort erledigt. Ich schiebe das nicht mehr weg oder auf die Seite, sondern ich löse das Problem. Und zu meinem 50sten habe ich dann die Devise ausgegeben, das zu tun, was mir gut tut und was mir gefällt. Also es gibt nichts, wo ich jetzt sage, ich warte da noch. Oft sagt man ja, „Naja wenn ich mal in Rente gehe, dann tun wir das, und dann nehme ich mir das vor“ – nee! Weil ich weiß nicht, ob ich die Rente erlebe, und das ist dann auf einmal eine innere Einstellung, eine innere Lösung von allem, von diesen Zwängen. Also auch zum Teil von den gesellschaftlichen Zwängen, die uns sehr prägen, das heißt also dieses Statusdenken, was denkt die Schwiegermutter, was denkt die Mutter, der Vater, wenn du jetzt auf einmal weniger Geld verdienst oder einfach bloß noch halbtags gehst, oder was auch immer.
Ich habe für mich dann im Endeffekt Ziele definiert, die zu erreichen sind. Eines habe ich jetzt erreicht, das für mich eine innerliche Befreiung bedeutet, und es kommt halt dann auch wirklich auf einen selber an, was man daraus macht oder wie man das dann im Endeffekt umsetzt. Das heißt also, ich weiß, dass ich mit 55 nicht mehr fremdbestimmt arbeiten werde, sondern für mich ist das Ziel, dann irgendwann zu sagen „Ok, mit 55 hör ich auf“. Ich habe noch genug andere Ideen, die ich für mich persönlich verwirklichen will, und da warte ich nicht bis 60, 70, weil dann habe ich vielleicht noch ein paar Jahre, wo ich es verwirklichen kann und das war es dann. Und das tu ich nicht!

Roland Neuner
Das Interview wurde am 07.07.2011 geführt.

Roland Neuner ist 50 Jahre alt. Im Alter von 45 Jahren erlitt er nach einer Sportverletzung eine Lungenembolie, die bei Ihm zu Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern führte. Während seines Krankenhausaufenthalts beendete er das Rauchen. Er versucht im alltäglichen Leben Stress zu vermeiden und besucht regelmäßig eine Herzsportgruppe.

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