Patientenbeitrag

Roland Neuner genießt die Freiheit, nicht mehr vom Rauchen abhängig zu sein



War der Beitrag hilfreich?
Text ein- und ausblenden

Als ich im Krankenhaus war, war ich erst einmal auf Intensiv, da war ich ja eh ans Bett gefesselt, da war ich wirklich gefesselt. Ich weiß nicht, ich glaube ich war eine Woche auf der Intensivstation, und als ich da rausgekommen bin, habe ich gedacht, „Ah super, ich bin jetzt erst einmal über den Nikotinhype weg“. Und dann habe ich halt eben tatsächlich noch vermieden – da konnte ich dann schon wieder ein bisschen laufen  – vermieden Kaffee zu trinken oder Dinge, die das dann noch unterstützen. Also für mich war die erste Woche das Wichtigste, und dann war es eigentlich gegessen. Dann wollte ich nicht mehr. Und das Nicht-Mehr-Wollen, also der erste Schritt war praktisch die Entzugserscheinungen zu überwinden, und dann es nicht mehr wollen. Und ich habe das dann, als ich daheim war, bewusst genossen oder festgestellt für mich persönlich – früher war es ja so: „Haben wir alles? Kippen, Feuer, und jetzt können wir gehen“. Ich bin da das erste Mal raus: „Haben wir alles? Ah, ich rauche ja nicht mehr! Ah ich brauche ja nicht einmal mehr ein Feuerzeug, ich brauche ja gar nichts mehr! Ich bin frei.“ Also dann hat man, wenn man sowas bewusst erlebt, eigentlich den ersten Schritt zur Befreiung sag ich mal. Also das war genial. War stark. Habe ich länger genossen.
Ich habe dann bewusst auch Gesellschaften, wo ich gewusst habe, ich kann das steuern, Gesellschaften vermieden, wo geraucht wird. Habe ich ja am Anfang gesagt, über zweieinhalb Jahre musste ich mich da schon beherrschen. Aber für mich war wichtig: Ich will nicht mehr. Es war für mich das erste wirklich positive Erlebnis, diese Freiheit! So das „Habe ich alles?“ – „Ich brauche es nicht mehr!“. Also wir konnten gehen, nur den Schlüssel einstecken und rausrennen ohne sonst noch irgendwas. Also dieses positive Erlebnis habe ich mir immer wieder irgendwo hergeholt um zu sagen ich will das nicht mehr. Ich will nicht mehr. Das ist ja eigentlich, wenn man sich das so vorstellt: Du bist der Knecht oder der Sklave deiner Sucht. Das ist halt wie ein Freiheitskampf. Oft geht er schief und manchmal klappt es auch.
Ich habe das dann auch in der Arbeit genossen: „Jetzt brauch ich mal 10 Minuten, ich muss dann mal weg.“ Ich nehme mir heute die Freiheit und nehme mir eine kreative Pause und laufe durch die Firma und gehe jedem auf den Senkel und sage „Oh was treibst denn du da?“ und mache einen blöden Witz und das sind dann meine 10 Minuten Witzpause. Und die nehme ich mir halt anstatt einer Raucherpause. Also es sind schon Fluchten und die muss man halt dann irgendwo erkennen.

Roland Neuner
Das Interview wurde am 07.07.2011 geführt.

Roland Neuner ist 50 Jahre alt. Im Alter von 45 Jahren erlitt er nach einer Sportverletzung eine Lungenembolie, die bei Ihm zu Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern führte. Während seines Krankenhausaufenthalts beendete er das Rauchen. Er versucht im alltäglichen Leben Stress zu vermeiden und besucht regelmäßig eine Herzsportgruppe.

Alle Beiträge von Roland Neuner

Schlagworte:

Neuen Kommentar verfassen






* Pflichtangaben