Patientenbeitrag

Johann Raschke hat sein Selbstwertgefühl gesteigert und hört nun mehr auf seine Bedürfnisse



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Diese Gläubigkeit – es sind ja mehrere Faktoren. Die Medikamenten-Gläubigkeit, die Gläubigkeit, dass der Arzt auf jeden Fall hilft, dass du der bist, um den er am meisten kämpft. Alles ist illusorisch, ganz einfach illusorisch. Wichtig ist hier, „Was bist du?“ Ja, das ist das Wichtige. Wenn ich nicht weiß, wer ich bin, dann fällt es mir auch schwer zu einem Ergebnis zu kommen, „Wie bin ich, wenn ich anders wäre?“ Das heißt, ich muss mir über meine Wesensart im Klaren sein. Ich muss versuchen, mich auf der einen Seite als etwas sehr Wichtiges anzusehen und auf der anderen Seite als etwas völlig Unwichtiges. Das heißt, man soll sich nicht so wichtig nehmen. Wenn ich so geblieben wäre, wie ich damals Ende ´93 war, wenn ich wirklich so geblieben wäre, dann würde ich nicht mehr leben. Das steht für mich 100-prozentig fest. Ernährung umgestellt. Nicht so auf Kante, also es kommt jetzt das „ich lass mal Fünfe grade sein“-Gefühl. Ich mache morgen etwas, was ich an und für sich nicht machen sollte. Aber das nicht machen wollen, weil man meint, man kann es nicht, das ist für mich belastender, als wenn ich es mal mache. Wo ich denke, „gut, jetzt hast du es gemacht. Es ist okay. Gut, dann machst du es eben eine gewisse Zeit nicht mehr“. Aber ich bin nicht jemand, der sich kasteien würde, nur um meinetwegen einen Monat länger zu leben. Das bringt es nicht. Das ist nicht das, was ich will. Und wenn die Stunde da ist, ist sie da und bis dahin versuche ich mit Gott und der Welt in Einklang zu stehen. Ich liebe mich, weil nur wenn man sich selbst liebt, kann man andere lieben, sage ich immer. Ich weiß nicht, ob diese Philosophie richtig ist, aber wirklich, ich bin gut Freund mit mir und auch mit meinem Herz. Ich sage zu ihm, „Du machst jetzt das, was du machen musst und ich mache das, was ich machen muss“ und da sagt mein Herz, „Ist okay“ und dann sage ich „Okay, machen wir weiter.“ So einfach ist das.

Ich wurde oft von anderen belächelt. Da war auch ein bisschen Ironie dabei, vielleicht auch Sarkasmus, was weiß ich. Auf jeden Fall so in die Sparte Spinner, „jetzt fängt er an zu spinnen“. Das hat mich nie gestört. Warum soll ich einen Umstand bemängeln, kritisieren, wie auch immer, der für mich positiv ist? Das wäre doch, das wäre doch widersinnig. Und ich würde sagen, es ist nicht alles richtig, was ich mache, aber es ist vieles richtig, was mir das Leben erleichtert und was mir auch die Angst genommen hat.

Johann Raschke
Das Interview wurde am 22.03.2012 geführt.

Johann Raschke ist 71 Jahre alt. Vor fast 20 Jahren hatte er einen Herzinfarkt. Als vor 5 Jahren bei Johann Raschke Kammerflimmern auftratt, wurde ihm ein Defibrillator eingesetzt. Johann Raschke hat seinen Lebensstil nach der Ornish-Therapie umgestellt, d.h. er ernährt sich weitestgehend vegetarisch und fettarm, nimmt an einer Ornish-Gruppe teil und macht täglich Yoga.

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