Patientenbeitrag

Friedrich Roth stand lange Zeit unter hohem beruflichen Stress



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Ich war früher auch einer, der sich den Stress selber machte. Ein gutes Beispiel habe ich da auch oftmals erzählt: Ich fahre morgens zur Arbeit – ich war technischer Gruppenleiter – ich bin immer um halb acht losgefahren, um acht Uhr fing die Arbeit an. Und ich hatte immer Angst, dass ich zu spät kam. Die Ampel war rot, der hat mich wieder schräg überholt, da musste ich wieder abbremsen und das ärgerte mich schon. Da ist immer der Stress, „du kommst zu spät“. Nach dem Herzinfarkt, als ich in der Ornish-Gruppe war, da haben die gesagt: „Ja, wenn das so ist, dann ist es so. Man muss eben das Leben nehmen, wie es kommt. Man muss auch mal „Nein“ sagen können.“ Ich bin weiterhin um halb acht losgefahren. Ich habe mich nicht mehr aufgeregt. Mir war das egal, wenn ich zu spät kam. Ich bin aber nie zu spät gekommen. Das ist so ein typisches Beispiel dafür. Oder dann abends, da ging ich fast als letzter nach Hause und hatte gesehen: „Ach, du hast ja die Post noch gar nicht durchgesehen. Du musst die mal durchsehen und dann an die Mitarbeiter verteilen.“ Und dann habe ich die durchgesehen, da waren verschiedene Dinge, die wurden nicht erledigt und da hat man sich wieder aufgeregt. Und dann konnte man nachts nicht richtig schlafen, weil man an die Dinge dachte. Dann habe ich nachher bei Ornish auch gedacht: „Eigentlich Quatsch, was du da gemacht hast. Warum hast du die Post nicht liegen gelassen und sie am nächsten Morgen angeguckt? Hättest dich gar nicht aufzuregen brauchen.“ Das sind alles so Dinge, die kann man dann lernen. Ansonsten ist man so in seinem Trott im Beruf drin, dass man da nicht raus kommt. Man macht sich also selber den Ärger, noch nicht mal so die Vorgesetzten.

Friedrich Roth
Das Interview wurde am 22.03.2012 geführt.

Friedrich Roth ist 70 Jahre alt. 1995 erlitt er einen Herzinfarkt. Seitdem ernährt er sich nach der Ornish-Diät, fährt bei gutem Wetter alle Wege mit dem Rad und macht täglich Yoga. Auf diese Weise hat er 20 kg abgenommen. Obwohl er seinen Lebensstil so grundlegend änderte, mussten ihm 2007 vier Bypässe gelegt werden. Die Ärzte bescheinigtem ihm jedoch, dass seine neue Lebensweise ihm vermutlich das Leben gerettet hat.

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