Patientenbeitrag

Für Roland Neuner hat Arbeit nicht mehr die oberste Priorität im Leben



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Es war dann immer irgendwo so ein Zwang, so ein Druck: Du musst! Du musst! Du musst! Und jetzt muss ich nicht mehr. Ich weiß ganz genau, ich habe das erste Ziel für mich ein Stück weit erreicht: In meinem Leben einen Punkt, wo ich kann: Ich kann in die Arbeit gehen, ich kann alles jetzt im Endeffekt machen und ich muss das nicht mehr unter Zwang machen. Das ist eine richtige Befreiung. Und dann habe ich überlegt, naja gut, ich habe jetzt das Glück gehabt, dass ich als Kaufmann ein Stück weit schon in meiner Jugend für mich vorgesorgt habe, und das jetzt Früchte trägt in finanzieller Hinsicht. Aber auf der anderen Seite ist es auch so, ich habe auch viel Gespräche mit meinen Kollegen gehabt, die gesagt haben, „Ja, na du hast es gut, du hast kein Haus gebaut, du hast das nicht“ und genau das ist das im Endeffekt, was mir praktisch mehr oder weniger jetzt Leib und Leben rettet: Dass ich den Zwang nicht habe, bis zum Umfallen irgendwo zu ackern, damit ich das Haus bezahle.
Und das ist das, was die anderen dann müssen. Und da merke ich, die gehen richtig gebeugt. Also da sind viele Kollegen dabei, die arbeiten sich krank. Also die gehen in die Arbeit, um sich krank zu machen. Und viele kommen dann oder was heißt viele, also aus meiner Abteilung oder aus dem Bereich, wo ich arbeite, kommen halt viele, die dann sagen, „Och, du hast es gut“ und sage ich, „Naja ganz einfach“. Ich komme in der Früh um 8, ich bleibe neun Stunden in der Arbeit, und das ist dann für mich genug, was ich meinem Arbeitgeber zur Verfügung stehe. Ich konzentriere mich den Tag über, dass ich die Arbeitskraft, die er mir bezahlt, dann auch zu 100 oder 110 Prozent ableiste, aber ich komm um 8 und ich gehe um 5 oder um 6, je nachdem. Es muss auch irgendwann mal Schluss sein. Man muss loslassen können. Das können viele nicht. Die hocken dann drin und „Hach ich muss warten bis der Chef geht, ich muss als erstes da sein bevor der kommt, und dann…“ also ist nicht meins. Und da gehört ein gewisses Selbstbewusstsein dazu um das einfach zu tun.
Ich habe auch zu meiner Frau gesagt: Ich will bloß in die Arbeit gehen, damit ich Spaß an der Arbeit habe. Ich meine, das Produkt Geld ist nicht zu vernachlässigen, aber es ist nicht alles. Und bevor ich da drauf gehe, höre ich lieber auf. Also diese gedankliche Freiheit, da muss man lange an sich selber arbeiten, um das auch nicht nur zu sagen, sondern auch wirklich zu meinen oder das auch hinterher verwirklichen zu können.

Roland Neuner
Das Interview wurde am 07.07.2011 geführt.

Roland Neuner ist 50 Jahre alt. Im Alter von 45 Jahren erlitt er nach einer Sportverletzung eine Lungenembolie, die bei Ihm zu Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern führte. Während seines Krankenhausaufenthalts beendete er das Rauchen. Er versucht im alltäglichen Leben Stress zu vermeiden und besucht regelmäßig eine Herzsportgruppe.

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