Patientenbeitrag

Uwe Siebert musste akzeptieren, dass er nicht mehr arbeiten kann und einen Umgang damit finden



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Der Arbeitgeber macht ja heutzutage nicht „Hurra, da kommt wieder einer“. Ja es ist so. Der letzte Arbeitgeber, wo ich war, hat auch gesagt, „musst nicht noch 200 Kilometer fahren, um zur Arbeit zu kommen“. Der hat klipp und klar gesagt, „ich werde dich nicht wieder einstellen“. Dann muss man das auch akzeptieren.

Du sitzt jetzt zu Hause, früher warst du selber… Ich sag mal, vor anderthalb Jahren war man ja selber noch auf Montage. „Jetzt geht sie wieder arbeiten, bist du wieder alleine. Kannst nicht mehr arbeiten gehen.“ – Und den Gedanken muss man sich abwimmeln. Ich sage mir immer, Beschäftigung! Immer was anderes machen, immer beschäftigen. Versuchen, nicht die großen Sprünge zu machen und zu sagen, „hurra jetzt ist man gesund“. Das ist vorbei, das muss man sich. Wurde mir auch klipp und klar gesagt: „Im Leben werden Sie niemals gesund werden. Das, was Sie haben, geht so und so nicht weg.“ Man muss eben dann sehen im Leben, es muss weitergehen.

Man muss mit anderen noch lachen können. Wenn man das nicht mehr kann, würde ich vielleicht bloß noch hier drinnen sitzen und dann Fernseher an, Flasche Bier raus, abends den und den besuchen, die Pulle auf den Tisch. Muss schon Spaß machen, muss schon. Und wer lustig war, muss lustig bleiben. Wir haben hier ja alles mitgemacht, allen Quatsch haben wir ja mitgemacht hier. Ich sage mir immer, „immer lächeln und immer lächeln, immer lächeln…“  Es geht anderen dreckiger oder schlechter, sagen wir das mal so. Ich hab ja genug gesehen da.

Na ja so mal nachdenken: „Okay das und das hattest du also. Lass den Kopf nicht hängen. Mach weiter.“ Mut nicht verlieren. Mut ist das. „Ach komm, das schaffst du schon alles.“ Wenn irgendwie was ist, dann kommst du schon wieder. Und dann eben auch unter Leute gehen und nicht dann hier grübeln.

 

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 07.02.2011 geführt.

Uwe Siebert ist 43 Jahre alt. Im Jahr 2009 erlitt er zwei Herzinfarkte. 2010 wurden ihm 5 Stents eingesetzt. Seinen körperlich anspruchsvollen Beruf in der Baubranche kann er seitdem nicht mehr ausüben. Damit umzugehen musste er erst lernen. Er hat seine Ernährung umgestellt und bewegt sich regelmäßig. Insgesamt hat er dadurch 14 kg abgenommen. Stress vermeidet er heute.

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