Patientenbeitrag

Ohne ihren Partner könnte Anne Haupt ihre Lebensstilveränderung nicht so gut vorantreiben



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Ich denke, meine unbewusste Einstellung – es war mir, glaube ich, gar nicht so bewusst, so wie ich auch unbewusst gedacht habe, unsterblich zu sein oder so: „Ich brauche niemanden, ich bin stark genug.“ Ich habe auch, wenn irgendwelche Probleme da waren, immer versucht die selbst zu lösen. Also ich habe jetzt nicht immer meinen Mann gebeten, wenn irgendwelche Dinge waren, dass er die für mich regeln sollte. Und insofern habe ich, glaube ich, auch unbewusst die Einstellung gehabt, ich brauche niemanden, mir kann keiner was, irgendwie so. Und auf einmal war ich in eine Situation versetzt, wo ich so was von hilfsbedürftig war, das musste ich natürlich auch verarbeiten. Aber dann die Erfahrung zu machen, dass da ein Mensch ist, nämlich mein Mann, der Mensch, den ich liebe und der mich liebt und zwar so liebt, dass er dann einfach da ist, das war eine ungeheure Erfahrung. Das hört sich jetzt ein bisschen banal an, aber so war es. Und vor allen Dingen war er immer da. Also nicht nur einmal oder zweimal. Er war so oft da, wie ich ihn gebeten habe, dass er kommen soll. Und ich glaube, was noch so dahinter steckt, das sind natürlich immer so die eigenen Geschichten: Dass er mich sogar noch liebt, obwohl ich überhaupt nicht mehr leistungsstark bin. Das hat nämlich was mit dieser Identifikation über Leistung zu tun. „Die Menschen lieben mich nur, weil ich leistungsstark bin.“ Das stimmt ja gar nicht. Im Gegenteil, er scheint mich mehr zu lieben. Er ist jetzt viel mehr für mich da. Also das war letztlich eine schöne Erfahrung. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass sich unsere Beziehung durch meine Erkrankung vertieft hat. Sie ist tiefer geworden.

 

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 26.04.2012 geführt.

Anne Haupt ist 59 Jahre alt. Aufgrund einer familiären Vorbelastung ließ Anne Haupt vor acht Jahren ihr Herz untersuchen – eine KHK wurde festgestellt und drei Bypässe gesetzt. Bis dahin ein Bewegungsmuffel, fing Anne Haupt aufgrund der Diagnose an, regelmäßig Sport zu treiben und sich nach den fettarmen und vegetarischen Empfehlungen von Dean Ornish zu ernähren. Außerdem reduzierte sie deutlich Stress in ihrem Leben: Sie wurde früh berentet, machte eine Psychotherapie und arbeitet daran, sich die Probleme anderer nicht mehr zu sehr zu Herzen zu nehmen.

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