Patientenbeitrag

Sich mit den Ursachen des Herzinfarkts auseinanderzusetzen war für Johann Raschke ein herausfordernder Prozess



War der Beitrag hilfreich?
Text ein- und ausblenden

Das ist relativ einfach. Ich habe mich erstmal selbst erkannt. Erstmal versucht, mich selbst zu erkennen und zu fragen, „Wer bist du? Was willst du?“ Und wenn man auf sich selbst Bezug nimmt, dann findet man auch irgendwann das, was man meint, was einem wirklich gut tut. Und ich kam auch zu dem Ergebnis, das ist richtig. Also ich kann dazu nur sagen, der Lernprozess fällt nicht leicht. Der fällt wirklich nicht leicht. Aber ich kämpfe immer noch und nach wie vor gegen mein eigenes Ego. Ich brauche jetzt auch immer länger, vielleicht hängt das mit meinem Alter zusammen. Aber ich komme dahinter. Ich bin nicht wichtig. Ich bin schon wichtig als solches, aber ich bin nicht so wichtig, wie ich meinte früher gewesen zu sein. Das bin ich wirklich nicht. Und es ist auch so, wenn man erst mal so nah am Tod steht, dann „Moment mal, da sind ja noch deine Kinder. Da ist ja noch deine Frau“. Und wenn du dann noch jemand bist, der im Grunde meint alles selbst machen zu müssen und dann erkennt, „Moment, wenn du mal nicht mehr bist, wie kommt deine Frau damit klar?“ Meine Frau hat mir immer zum Vorwurf gemacht, „du bist so bestimmend“. Mir fiel das damals gar nicht auf. „Wieso bestimmend? Das, was ich mache, ist richtig und alles andere ist eben nicht richtig.“ Ja und jetzt muss ich sagen, meine Frau ist Gott sei Dank hartnäckig genug, um mich immer wieder zu ermahnen. Und ich bin immer wieder dumm genug, darauf rein zu fallen, wie auch immer. Ich bin auf jeden Fall, ich möchte sagen trotzdem noch lernfähig. Das kommt nicht, weil Montag, Dienstag, Mittwoch ist. Das kommt, weil irgendwelche Ursachen vorlagen und dann versuchst du zu ergründen, „Moment mal, was hast du denn falsch gemacht? Was hast du falsch gemacht?“ und „Was muss anders gemacht werden?“ Und wenn du das Denken nicht verlernt hast, dann kommst du auch zum Ergebnis. Das ist ohne Frage so. Ich bin… wie heißt das? Der Weg ist das Ziel. Da bin ich nach wie vor. Und es ist auch schön, an sich selbst zu arbeiten. Ja wirklich, das ist ein Erfahrungswert, den sollte man sich wirklich auch gönnen.

Johann Raschke
Das Interview wurde am 22.03.2012 geführt.

Johann Raschke ist 71 Jahre alt. Vor fast 20 Jahren hatte er einen Herzinfarkt. Als vor 5 Jahren bei Johann Raschke Kammerflimmern auftratt, wurde ihm ein Defibrillator eingesetzt. Johann Raschke hat seinen Lebensstil nach der Ornish-Therapie umgestellt, d.h. er ernährt sich weitestgehend vegetarisch und fettarm, nimmt an einer Ornish-Gruppe teil und macht täglich Yoga.

Alle Beiträge von Johann Raschke

Schlagworte:

Neuen Kommentar verfassen






* Pflichtangaben