Patientenbeitrag

Rainer Knopp nutzt die Meditation, um Ärger und Konflikten auf den Grund zu spüren



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Manchmal ist man ja sehr ärgerlich, wenn man, was weiß ich… jemand stört einen in einer Situation oder beleidigt einen. Das trägt man ja manchmal ein, zwei Wochen in sich rum und ist immer sauer auf einen Menschen. Wie unsinnig das ist! Also diesen Gedanken loszulassen oder das mit dem Menschen direkt zu klären, das sind Dinge, die oftmals in diesem Prozess der Meditation wirklich auftauchen und klar werden. Und da sage ich: „Ja, das ist meine Möglichkeit mein Leben zu verändern. Die Dinge ganz anders zu klären, ganz anders zu sehen vor allen Dingen.“

Also erst mal anerkennen, dass ich ärgerlich bin. Das darf auch Ausdruck finden und ich kann auch mal sehr ärgerlich einem Menschen gegenüber sein, aber dann ist gut. Also weder nachtragend zu sein, noch in diesem Ärger zu bleiben. Für mich gibt es auch Impulse, wo ich ärgerlich bin. Das kriege ich auch für mich mit, aber dann kommt auch der Punkt, wo ich sage, „ja, jetzt war ich ärgerlich, gucke mir einfach an, wie die Situation wirklich ist“. Also kein Mensch ist grundsätzlich schlecht oder keine Situation so ärgerlich, als wenn es nicht andere Alternativen dazu gibt oder andere Sichtweisen, die dann nicht mehr ärgerlich sind. Habe ich auch noch nie bei irgendeinem Menschen gesehen, also etwas, was ihn nur schlecht macht oder eine Situation. Man braucht einfach nur mal die Position, die Blickrichtung zu ändern und die Situation oder der Mensch sieht schon ganz anders aus. Und diese Erkenntnis finde ich sehr wertvoll und das lässt mich nicht wirklich im Ärger bleiben. Vor allen Dingen habe ich auch noch nie die Erfahrung gemacht, dass Ärger irgendetwas bringt. Also auch insofern vollkommen sinnlos ist, weil mir geht es nicht gut und, wenn ich einem Menschen in diesem Ärger begegne, ihm auch nicht. Also was soll sinnvoll daran sein an Ärger festzuhalten? Diese Gedanken oder diese Erkenntnisse, die wachsen natürlich, das ist nicht einfach im Kopf manifestiert und dann lebe ich das anders, sondern auch das ist ein Prozess über Jahre, einen anderen Umgang zu finden mit Ärger, mit Wut, mit Trauer, mit Schmerz – mit all diesen Gefühlsdimensionen, die mir ja tagtäglich begegnen.

Rainer Knopp
Das Interview wurde am 02.05.2012 geführt.

Rainer Knopp ist 52 Jahre alt. Vor fünf Jahren wurden ihm zwei Stents gesetzt. Daraufhin setzte sich Rainer Knopp intensiv mit der Erkrankung auseinander und stieß auf das Therapie-Konzept von Dean Ornish. In Anlehnung an die Ornish-Therapie hat Rainer Knopp seine Ernährung auf fettarme, vegetarische Kost umgestellt, trifft sich regelmäßig mit anderen Patienten in einer Selbsthilfegruppe und geht mit seiner Partnerin ins Fitnessstudio. Durch tägliche Meditation und Atemtechniken gleicht Rainer Knopp Stress aus und arbeitet daran, gelassener zu werden.

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