Patientenbeitrag

Nach dem Herzinfarkt schlichen sich bei Gerd Kipper wieder alte Gewohnheiten ein



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Ja also es war halt so verloren gegangen. So hin und wieder habe ich dann mal gedacht, „naja, eigentlich müsstest du ja mal wieder Ergometer fahren“. Da habe ich mich halt mal wieder aufgerafft. Eigentlich hatte ich ja keine Lust, muss ich ganz ehrlich, ich hatte einfach keine Lust. Mal aufgerafft, da bin ich, so einmal die Woche vielleicht oder zwei wenn es hoch kam, manchmal auch nur alle 14 Tage mal. Habe mir auch gar keine Gedanken gemacht und habe gesagt, „naja gut, es läuft ja alles ganz gut“… nee, gar nichts habe ich mir gedacht. Es fiel gut. Bauch wurde halt dicker, ich hatte schon eine kleine Wampe.
Ich habe immer gerne gegessen. Naja, da wurde es halt immer abends statt zwei mal drei Brote und dann hat man mal – mal esse ich gerne Grießbrei – noch gemacht um 10 und so bin ich dann wieder in diesen alten Schlümpfrian zurück gefallen.
Ich wusste, dass das, wenn man zu dick ist, was das für Folgen hat gesundheitlich. Ich war mir schon im Klaren drüber, habe auch immer wieder mal gesagt, „ok, eine bestimmte Grenze überschreitest du nicht“. Ich hatte dann 91 Kilo zum Schluss und da das war dann einfach zu viel. Mit 90 Kilo auf dem Fahrrad ist was anderes wie mit 76 Kilo, macht schon eine Menge aus. Ich habe mich einfach, ich habe einfach schleifen lassen.
Ich hab es auch gemerkt, dass mir es nicht gut ging, dass ich weniger körperlich leisten konnte, dass auch in der Schule dann mir manchmal halt der Schweiß runter lief, so ganz ohne dass ich was getan hatte. Und dann habe ich gesagt, irgendwas stimmt da nicht. Dann bin ich halt zum Kardiologen gegangen und da hat der mich untersucht, Herzuntersuchung gemacht. Dann Katheder, dann können sie am besten die Herzleistung feststellen – bums: 35 Prozent. Und da hab ich mich gewaltig erschrocken. Weil also ich weiß sehr viel über meine Herzerkrankung, also ich bin ein Patient, der bestens informiert ist, der sich selbst informiert. Deswegen wusste ich ja auch, was das heißt, 15 Prozent weniger Herzleistung auf einmal zu haben. Da wusste ich: Jetzt geht es bergab. Jetzt geht es zu Ende, wenn du nichts tust. Das war mein Lebenswille, der mich dazu gebracht hat, sofort und auf der Stelle damit anzufangen. Am nächsten Tag habe ich mich das erste Mal wieder auf ein Fahrrad gesetzt. Am nächsten Tag habe ich das erste Mal keine Süßigkeiten mittags gegessen, abends nichts mehr gegessen und das hab ich durchgehalten. Es ging um mein Leben. Ich wollte am Leben bleiben, ich wollte vernünftig am Leben bleiben. Das war meine Motivation. Ganz einfach Lebenswille. Überlebenswille. Ich lebe gerne. Ich liebe das Leben.

30_2-7-Sport-Bewegung
Das Interview wurde am 08.07.2011 geführt.

Gerd Kipper ist 69 Jahre alt. Er erlitt mehrere Herzinfarkte und hatte eine Bypass-OP. Durch tägliches Ergometertraining, gezielte Gymnastik, bewusste Ernährung und Gewichtsabnahme konnte er seinen Gesundheitszustand stabilisieren, so dass er noch immer seiner erfüllenden sozialen Tätigkeit mit Kindern nachgeht.

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