Patientenbeitrag

Bevor eine Veränderung funktionieren kann, muss man sich selbst annehmen wie man ist, weiß Bernhard Dinter



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In letzter Zeit habe ich da eben überhaupt nicht mehr auf mich geachtet, das ist eben genau dieser Punkt, also dass ich so katastrophal mit mir umgegangen bin. Zwar anderen Leuten erzählt habe, wie man es vielleicht sinniger machen könnte, aber mich dabei eben völlig vergessen habe und immer nur versucht habe, die anderen irgendwie zu unterstützen, damit sie dorthin kommen und mich dann eben völlig vergessen. Und das ist eben dann relativ tragisch.

Also die letzten zehn Jahre habe ich permanent eigentlich so mit suggestiven Bereichen an mir gearbeitet und dort auch so mit allen möglichen Bereichen probiert irgendwo, das Gewicht wieder runterzukriegen. Aber alles hat wenn, dann irgendwo mal ein zwei Tage funktioniert und dann eben ging es immer wieder rasant aufwärts. Und vor allem die letzten vier Jahre war es einfach in so einer katastrophalen Ebene nach oben gegangen, dass ich mich also auch nicht mehr wohl gefühlt habe, das war dann ziemlich tragisch geworden. Und dann fängt man an, sein Körper zu hassen und das ist eigentlich die größte Katastrophe, die dann losgeht. Weil das ist auch ein ganz ganz wichtiger Bereich, dass man lernt wirklich sich erst mal so anzunehmen. Und mit dieser Entscheidung überhaupt eine Veränderung einzuläuten und dann eben auch indem ich dann ja Zeit hatte über mich nachzudenken, für mich zu erkennen, wenn du dich nicht erstmal so lieben und annehmen lernst, so wie du jetzt im Moment bist, gibt es schlicht und ergreifend überhaupt keine Möglichkeit, irgendwas in deinem Leben zu verändern. Also erstmal die Situation so anzuerkennen, wie sie ist. Und weil man sie so lieben lernt, wie sie ist, hat man die Chance sich zu verändern. Und diese ganzen Bereiche, die haben dann dazu geführt, dass es dann eben mit diesen ganzen anderen Veränderungen auf einmal funktioniert hat, was vorher alles nicht funktioniert hat. Natürlich wirkt dann sicherlich diese ganze Arbeit, die man vorweg gemacht hat, mit hinein, aber diese grundsätzliche Entscheidung, überhaupt irgendeine Veränderung im Leben zu machen, die hat dann insgesamt dazu geführt und dann kommt das wie so ein Zahnrad, dann kommt ein kleines Teil zum anderen.

Insofern, im Nachhinein bei aller Dramatik, bei aller Tragik, die das da in sich hatte, war es letztendlich eigentlich diese Chance wirklich für diesen Neuanfang. Und insofern ist einfach eine Krankheit nichts Dramatisches sondern, wenn man sie nutzt, kann man sie wirklich zu dem machen, wofür es eigentlich da ist: über sich nachzudenken und Veränderungen einzuleiten. Dafür sind an sich Krankheiten da und dann ist nichts Tragisches oder Gespenstisches da, sondern diese ganz riesengroße Chance es wirklich zu verändern und das scheint mir gelungen zu sein. Da bin ich ziemlich glücklich drüber.

Bernhard Dinter
Das Interview wurde am 23.02.2012 geführt.

Bernhard Dinter ist 57 Jahre alt. 2011 erlitt er einen Herzinfarkt. Seitdem hat er stark abgenommen, achtet darauf weniger zu essen und vor allem darauf, was er isst. Er sagt, er kocht wieder mehr selbst, isst mehr Vollkornprodukte, Gemüse und weniger Fleisch.

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