Patientenbeitrag

Der größte Antrieb für Andreas Engel ist die Vermeidung eines Krankheitsrückfalls und daher erlebt er seine Lebensumstellung nicht als Verzicht


Die stärkste Triebfeder ist das, was ich noch in der Zeit in der Herzklinik gesagt habe, als ich erkannt habe, 80 Prozent Wiederholrate – ich will mich da nicht festlegen, aber irgendwie so eine Zahl, die war richtig erschreckend hoch und ich mir gesagt habe: „Da darfst du niemals zugehören. Du wirst alles tun, dass das nicht passiert.“ Das ist der eine Aspekt. Und gewissermaßen schon als Folge daraus: Wenn ich merke, die Dinge laufen nicht so gut. Dass ich dann mitbekomme, der Puls ist nicht in Ordnung. Also das fühle ich dann schon und dann kriege ich eigentlich auch eine Bestätigung beim Messen. Wenn ich dann gucke, wie ist der Blutdruck? Sehe, ja, das ist nicht so gut… Oder dass ich sage: „Mensch, du bist nicht fit, du warst mal viel fitter. Warum schwingst du dich jetzt nicht aufs Fahrrad und drehst morgens um sieben Uhr schon mal einmal die Runde einmal um den See rum?“ Da ist dann einfach die Triebfeder, dass ich keine Wiederholung erleben möchte und ich möchte auch möglichst ohne Tabletten leben können, weil ich das einfach zum Thema Lebensqualität hinzuzähle. Ich habe da einiges drüber gelesen, auch in Beschreibungen: Da wurde immer wieder von Verzicht auf dieses, Verzicht auf jenes gesprochen, das habe ich so noch nicht erlebt. Ich fühle mich nicht in einer Situation, wo ich auf vieles verzichten muss und womöglich von außen betrachtet eine andere Art von Lebensqualitätseinbuße hätte. Überhaupt nicht. Beispielsweise ohne Alkohol auszukommen, das ist kein Problem. Das ist die Triebfeder, dass ich mir das wirklich auf meine Fahne geschrieben habe und das auch will. Dass man jenseits des Wollens das nicht immer ganz so hinbekommt – ich glaube, das ist erst mal menschlich und das ist aus mancher Situation erklärbar und fast erwartbar.

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 18.04.2012 geführt.

Andreas Engel ist 59 Jahre alt. Nach einem stummen Herzinfarkt 2009 wurden ihm 6 Stents eingesetzt. Der Wunsch, nicht zu viele Medikamente nehmen zu müssen, und die Angst vor einem Reinfarkt trieben ihn an, sein Leben umzustellen. Dabei stützt er sich auf das Programm von Dean Ornish: Er ernährt sich fettarm und vegetarisch. Um seinen Stress in Griff zu bekommen, hat er sich beruflich verändert und besucht regelmäßig Entspannungskurse.

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