Patientenbeitrag

Der Umgang mit stressigen Situationen fordert auch nach 2 Jahren noch Geduld und Disziplin von Andreas Engel


Probieren, üben, fragen, dranbleiben. Und ich behaupte ja auch nicht, dass es mir gelungen ist. Ich behaupte allerbestenfalls, dass ich da auf dem Weg bin und das Ziel sehe. Natürlich ist das schwierig. Das ist extrem schwierig, weil die Muster, die da ablaufen, laufen mehr oder weniger automatisch ab. Und da muss man schon ein bisschen länger dran arbeiten. Und noch mal dieses Wort: Das geht nicht ohne darauf Acht zu geben, um es mal so rum auszudrücken. Das überhaupt mal bewusst zu kriegen, was läuft da ab? Das muss man vorher einmal theoretisch erklärt bekommen haben oder gelesen haben, sich klar gemacht haben. Man muss dann überlegt haben, wie geht es bei einem selbst? Wie läuft es bei einem selbst ab? Was sind die Mechanismen? Worauf springe ich an? Wie reagiere ich? Das hat auch mit Sprache zu tun, wo man sich überlegen kann: „Kann ich vielleicht Sprache verändern? Kann ich einüben, meinen Sprachgebrauch zu verändern?“ Das ist manchmal noch ein bisschen leichter, weil es auch eher über den Kopf geschieht. Trotzdem schwierig, in der Tat. Und es gibt auch durchaus Momente auch heute noch, wo ich in allerbester alter Manier explodieren kann oder hochgehen kann. Aber seltener. Und zumindest wäre ich dann noch in der Lage, hinterher darüber nachzudenken: „War das jetzt nötig? Musste das jetzt sein?“ Das hätte ich eben früher nicht getan. Dann war ich eben der Meinung: „Das muss so sein, das ist so und  muss raus. Das ist gut so.“ Das ist natürlich alles Quatsch. Also das ist ein langsamer Prozess. Und das gehört zu dem Teil, wo mal ein Wissenschaftler im Zusammenhang mit Yoga darüber gesagt hat oder auch mit Meditieren: „Sanfter Umbau des Gehirns.“ Das geht nicht von jetzt auf gleich. Für mich persönlich reden wir über eine Phase von zwei Jahren, in denen ich jetzt in diesem Prozess bin, Dinge langsam zu verändern. Also ich würde auch sogar sagen, wenn ich gefragt würde: „Wie weit wäre ich denn oder wie weit bin ich denn?“, dann würde ich zumindest vorsichtig sagen: „Ich habe noch viel vor mir.“

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 18.04.2012 geführt.

Andreas Engel ist 59 Jahre alt. Nach einem stummen Herzinfarkt 2009 wurden ihm 6 Stents eingesetzt. Der Wunsch, nicht zu viele Medikamente nehmen zu müssen, und die Angst vor einem Reinfarkt trieben ihn an, sein Leben umzustellen. Dabei stützt er sich auf das Programm von Dean Ornish: Er ernährt sich fettarm und vegetarisch. Um seinen Stress in Griff zu bekommen, hat er sich beruflich verändert und besucht regelmäßig Entspannungskurse.

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