Patientenbeitrag

Früher war Joachim Lontke ein richtiger Workaholic



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Ich kann auch genügend Pausen machen. Wenn bei mir Stress aufkommen sollte, dann versuche ich den natürlich auch gleich in den Griff zu bekommen. Mir bewusst zu werden, „Das baut mir Stress auf. Wie gehe ich damit sofort um?“ und dann versuche ich mich gleich runterzufahren. Also dass ich den Stress gar nicht erst aufkommen lasse. Und das ist auch eine Situation, das muss man lernen. Es gibt unterschiedliche Typologien mit Unterscheidungsmerkmalen und ich gehörte früher zu den Roten. Das sind diese Dynamiker, die nur powern und sich selber einfach einen gewissen Druck geben. Da hat man sich auch in eine Leistungsabhängigkeit gebracht, der man unbedingt gerecht werden wollte. Da war ein 15-, 16-Stunden-Tag eine gewisse Normalität, weil ich war Workaholic. Ich bin vor 15 Jahren aus einer Firma ausgestiegen. Ich habe einfach gekündigt. Ich war Geschäftsführer. Ich habe das immer bezeichnet mit Rentenanwartschaftsstelle mit Pensionszugangsberechtigung und das war ein sehr renommiertes Unternehmen. Und als ich damals gekündigt habe, da hat auch jeder gesagt „Spinnst du? Bist du verrückt? Wie kannst du das machen?“ Aber wissen Sie, Manager zu sein und letztendlich in den Gedankengängen von anderen Menschen gehen zu müssen, hat nichts mit Freiheit zu tun und mein Gedanke war, mein Gedankengang und mein Wunsch war, tatsächlich einfach selber etwas auf die Beine zu stellen und dann habe ich mich vor 15 Jahren selbstständig gemacht. Und seitdem war das einfach Stress pur. Ich glaube, dass ich heute sehr sehr schnell spüre, was auf mich stresshafte Auswirkungen hat. Und wenn ich spüre, dass das für mich vielleicht einen gewissen Stress haben könnte, lasse ich die Finger davon. Weil so viel Schmerzensgeld kann mir kein Mensch mehr bezahlen, dass er für mich eine Beschäftigung initiiert, die durch diese Situation dann einfach einen Stress erzeugt. Ich habe mich einfach frei gemacht, ich bin unabhängig geworden.

Joachim Lontke
Das Interview wurde am 16.04.2012 geführt.

Joachim Lontke ist 57 Jahre alt. Vor 9 Jahren erlitt er einen Herzinfarkt, ohne daraus Konsequenzen für seine Lebensweise zu ziehen. Seit er jedoch vor zwei Jahren einen schweren Schlaganfall erlitt, hat Joachim Lontke sein Leben grundlegend verändert. Er hat über 25 kg abgenommen, ernährt sich herzgesund und bewegt sich regelmäßig. Sein Arbeitspensum hat er ebenfalls drastisch reduziert und an einem Stressbewältigungskurs teilgenommen, um nicht mehr ständig unter Strom zu stehen. Für Joachim Lontke ist das Wichtigste in Bezug auf die Erkrankung, erkannt zu haben, dass er selbst dafür verantwortlich ist, wie er mit sich umgeht.

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