Patientenbeitrag

Andreas Engel hat sich mit seinen eigenen Stressmechanismen auseinandergesetzt


Ich bin ein Mensch, ein Typ, der zum einen leistungsorientiert war, sicherlich auch noch ist. Ich bin zum anderen ein Typ von den Persönlichkeitsmerkmalen her, der so nach der Temperamentenlehre ein eher cholerischer Typ ist. Das ist ja oft so, kommt ja dann nicht von ungefähr, dass solche Leute sich selbstständig machen, weil die vorher irgendwann auch schon mal sich überlegt haben: „Alles Quatsch hier, kann ich anders, kann ich besser, mache ich besser, schaffe ich auch.“ Das passt ja irgendwo zusammen. Und das ist mir auch klar geworden. Und geändert hat sich sicherlich die Einstellung zur Leistungsorientierung. Die gibt es immer noch, aber die gibt es schon in anderer Form, weil ich heute genauer überlege: „Will ich das wirklich? Muss das sein? Und wenn ja, zu welchem Preis?“ Früher habe ich über den Preis nicht nachgedacht. Ich habe aber hinterher dafür eine Lieferung bekommen, wo ich sagen muss, der Preis war zu hoch. Das sind kleine Unterschiede, aber wichtige Unterschiede. Der viel schwierigere Aspekt: Das Bewusstmachen, das bewusst Erleben von sich anbahnenden Stresssituationen und den Stressreaktionen. Bewusst zu erleben, dass eine Situation zum Beispiel nicht nur konfliktbeladen ist, sondern auf einen Konflikt hinsteuert. Dass diese Situation Ärger auslöst, dass sie also eigentlich genau all die Dinge auslöst, die dann auch eben aufs vegetative Nervensystem schlagen und dann all das auslösen, was letztendlich zu einer KHK geführt hat oder führen kann. Dass es eben möglich ist, wenn man achtsam genug ist, darauf wirklich zu achten, mitzubekommen, wenn das passiert, wenn das eintritt.

 

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 18.04.2012 geführt.

Andreas Engel ist 59 Jahre alt. Nach einem stummen Herzinfarkt 2009 wurden ihm 6 Stents eingesetzt. Der Wunsch, nicht zu viele Medikamente nehmen zu müssen, und die Angst vor einem Reinfarkt trieben ihn an, sein Leben umzustellen. Dabei stützt er sich auf das Programm von Dean Ornish: Er ernährt sich fettarm und vegetarisch. Um seinen Stress in Griff zu bekommen, hat er sich beruflich verändert und besucht regelmäßig Entspannungskurse.

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