Patientenbeitrag

Durch den Schlaganfall hat Joachim Lontke gelernt, alltägliche Kleinigkeiten mehr wertzuschätzen



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Aber heute ist es einfach so, dass ich weiß, dass die Bewegung, die ich tue und je aktiver ich werde, dass das einfach der Sache dienlich ist. Also meiner Gesundung dienlich ist und dass ich mich jetzt nicht irgendwie in Watte packe, ins Bett lege und gar nichts mehr machen darf. Also nein, das Gefühl habe ich nicht. Ich versuche natürlich auch so viel zu machen, wie es nur irgendwie geht und das, was mein Körper jetzt momentan zulässt. Also vom Geistigen bin ich, denke ich, jetzt wieder, naja sagen wir auf 95 Prozent und wenn ich beim Körperlichen wieder auf 80, 85 Prozent kommen kann, dann bin ich auch richtig froh, wenn das klappt.

Vor einem halben Jahr konnte ich in dieser Form noch nicht laufen. Da und das führe ich auf die Situation zurück, die dieses kontinuierliche Training ermöglicht hat. Und auch da bin ich natürlich froh, dass ich diese Veränderung, diese Verbesserung der Situation tatsächlich spüre und auch durchführen kann. Das ist gut. Und ich fühle mich auch gut dabei.

Ich kann mich auf jeden Fall wieder in einer gewissen Normalität bewegen und ich bin unabhängig. Ich kann alles alleine machen, vieles alleine machen. Ich bin nicht auf Hilfe angewiesen und darauf bin ich unheimlich stolz und auch dankbar. Wenn ich mich heute belohnen will, glauben Sie, mir reicht es, wenn ich jetzt raus gucke, mir die Natur angucke, draußen vielleicht ein bisschen im Garten was machen kann oder so etwas. Da reagiert man wirklich unheimlich dankbar und sensibel drauf reagiert, dass man so etwas tun darf. Mit welcher Selbstverständlichkeit man so was als Gesunder, in Anführungsstrichen, tatsächlich überhaupt nicht wahrnimmt, weil es ja normal ist. Und wenn einem diese Normalität irgendwann genommen wird, dann ist es so, so war es bei mir, dann achtet man natürlich mittlerweile wirklich auf jede Kleinigkeit.

Joachim Lontke
Das Interview wurde am 16.04.2012 geführt.

Joachim Lontke ist 57 Jahre alt. Vor 9 Jahren erlitt er einen Herzinfarkt, ohne daraus Konsequenzen für seine Lebensweise zu ziehen. Seit er jedoch vor zwei Jahren einen schweren Schlaganfall erlitt, hat Joachim Lontke sein Leben grundlegend verändert. Er hat über 25 kg abgenommen, ernährt sich herzgesund und bewegt sich regelmäßig. Sein Arbeitspensum hat er ebenfalls drastisch reduziert und an einem Stressbewältigungskurs teilgenommen, um nicht mehr ständig unter Strom zu stehen. Für Joachim Lontke ist das Wichtigste in Bezug auf die Erkrankung, erkannt zu haben, dass er selbst dafür verantwortlich ist, wie er mit sich umgeht.

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