Patientenbeitrag

Statt Konflikte in sich reinzufressen, sucht Christa Lorei mittlerweile ein klärendes Gespräch – auch auf die Gefahr hin, sich unbeliebt zu machen



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Ich versuche meiner Neigung zu widerstehen, mich rauszuziehen und zu sagen, „ja, ja“. Sondern wirklich auch mal einen Standpunkt zu finden und ihn zu vertreten. Oder genau hinzuspüren, wann ich grolle. Also wenn sich jemand in einer Weise verhält, die mir nicht gefällt und von der ich denke, dass sie mir nicht gut tut, mir mehr Platz wegnimmt, als ich eigentlich abgeben möchte. Da habe ich dann früher Platz gemacht. Und heute sage ich – ich schaffe das nicht sofort, manchmal erst am nächsten Tag oder eine Woche später – dann rufe ich nochmal an oder gehe noch einmal in die Diskussion und sage: „Das hat mir da nicht gefallen. Ich habe mich nicht getraut, das sofort zu sagen. Ich möchte gerne, dass wir darüber nochmal reden. Ich brauche da mehr Platz. Ich möchte, dass das anders gehandhabt wird.“ Und auch da, wenn man das nicht trainiert hat, ist es oft so, dass sie sagen: „Nein, das will ich nicht. Du hast bisher doch immer funktioniert, warum machst du das jetzt nicht weiter? Das sehe ich überhaupt nicht ein.“ Und dann habe ich im Extremfall auch mal gesagt, „dann müssen wir uns trennen“ und habe das dann auch durchgeführt. Also einher damit geht eine wahnsinnige Angst, nicht geliebt zu werden und plötzlich alleine da zu stehen. Und die zu überwinden, setzt voraus, dass man ein Stück weit sich selber auch schätzt und akzeptiert. Das gehört dazu. Also dieses klein machen oder dieses in den Rückzug gehen und sich anzupassen, hat natürlich auch mit sinkendem Selbstbewusstsein zu tun. Und das muss man wieder aufbauen mit Literatur, Internet, Psychotherapie und Gruppe.

Christa Lorei
Das Interview wurde am 08.01.2013 geführt.

Christa Lorei ist 66 Jahre alt. Seit Jahren lebte sie mit einer Herzwandverdickung, doch vor etwa einem Jahr stellte sich heraus, dass auch mehrere Arterien verstopft sind. Daraufhin wurde einerseits mittlels Katheter die Herzwandverdickung behandelt, andererseits veränderte Christa Lorei aber auch massiv ihren Lebensstil: So stellte sie ihre Ernährung nach dem Programm von Dean Ornish um und nahm 10 kg ab. Außerdem begann sie leistungsorientierter Fahrrad zu fahren und ins Fitnessstudio zu gehen. Daneben kümmert sich Christa Lorei durch Meditation und Yoga um ihr emotionales Wohlbefinden.

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