Patientenbeitrag

Die Trennung von seiner Frau war für Karl Theodor von Herges der Auslöser, sein Leben zu ändern



War der Beitrag hilfreich?
Text ein- und ausblenden

Das Ende vom Lied war dann die dritte OP, die mir dann den Anstoß gegeben hat endlich zu sagen, „du musst was verändern“ oder „ich muss was verändern“. Ich wollte mich auch verändern, habe es aber nie geschafft. Aufgrund der ganzen Problematik ist dann auch meine Ehe auseinander gegangen, was dann nochmal ein Stück weit zu einem Tief führte. Vielleicht aber auch Ursprung und Auslöser dazu war, dass ich dann überhaupt erst die Möglichkeit hatte zu sagen: „Gut, jetzt kann ich anders gucken. Ich kann anders handeln. Ich bin auf mich selber eingestellt. Ich bin allein gelassen. Was auf der Seite nicht so gut war. Aber insgesamt war der Weg dann, von Neuem anzufangen. Und das war gut. Eine Trennung ist nie schön, vor allen Dingen für denjenigen nicht, der bleibt, der verlassen wird. Ich habe es auch zunächst nicht als angenehm empfunden, heute glaube ich jedoch, die Entscheidung meiner damaligen Frau war gut. Die war gut für mich. Ich konnte mich neu entwickeln, ich sage mal, ich habe eine zweite Chance bekommen. Anfangs war natürlich die Familie weg, es kehrte hier im Haus Ruhe ein. Ich musste wieder selber tätig werden. Viele Dinge, die ich nicht machen konnte, vielleicht auch nicht machen wollte, die musste ich wieder tun. Das hat natürlich eine ganze Zeit gebraucht und auch gedauert, aber der Weg dahin hat sich gelohnt. Also es hat sich eine umfassende Veränderung eingestellt, wo ich sagen muss: Ja, es ist richtig. Es ist gut so. Ich behaupte mal, dass das nicht überall passend ist, weil die familiären Situationen unterschiedlich sind. Für mich war es: Ich brauchte einen Auslöser, um eine eventuelle Veränderung überhaupt vornehmen zu können. Vom Ergebnis und der Summe war es vielleicht für den heutigen Stand das Beste, was mir passieren konnte. So makaber sich das anhört. Ich habe die Chance gekriegt nachzudenken und mich wieder zu finden. Vom heutigen Stand, es sind jetzt nun sieben Jahre her, muss ich sagen, ich hätte es vielleicht sonst nicht geschafft. Es hat sich vieles verändert: Ich lebe alleine, ich bin seit fünf Jahren geschieden und an sich muss ich sagen, ich kann der Frau dankbar sein, dass sie den Schritt gemacht hat. Das hört sich vielleicht ein bisschen banal an, aber ich wäre vielleicht niemals im Leben wieder irgendwo in die Spur gekommen.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

Alle Beiträge von Karl Theodor von Herges

Schlagworte:

Neuen Kommentar verfassen






* Pflichtangaben