Patientenbeitrag

Die Zeit der Rehabilitation nutzte Selina Flemming, um sich mit sich und der Erkrankung auseinanderzusetzen



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Durch die Erkrankung hatte ich auf einmal ganz viel Zeit, weil ich ja quasi wie an das Bett gefesselt war und ein bisschen isoliert. Man vereinsamt ja dann auch erstmal in der Zeit so ein bisschen. Man reduziert sich ja sehr und da bleibt einem ja auch nichts anderes übrig als entweder sich zu beschallen mit vielen Medien oder so oder sich mal damit auseinanderzusetzen. Dieses sich mit dem Thema auseinandersetzen habe ich von zu Hause mitbekommen. Also dieses sich den Dingen stellen, also offensiv mit Dingen umzugehen, den Dingen auch ins Auge zu gucken, zu sagen, „also da ist irgendwas, guck mal hin“. Ich denke, das habe ich schon von meinem Elternhaus mitgekriegt. Und ich bin auch in dem weiteren Freundeskreis da auch so eingebettet, dass man sich den Dingen schon auch stellen sollte, dass es nichts bringt, immer wegzugucken, dann wird es ja eher noch schlimmer. Und ich denke aber, in der Zeit hat sich das dann intensiviert. Als ich dann zur Rehabilitation war drei Wochen, habe ich dann auch Leute kennengelernt. Also so viel zum Thema, was Rehabilitation sicherlich auf der körperlichen Ebene bringt, aber auf der seelischen, psychischen Ebene habe ich eben viele schöne Gespräche geführt mit zum Teil ganz anders betroffenen Menschen. Da kamen so Impulse, die mich eben auch zum Nachdenken angeregt haben. Also ich habe jemanden kennengelernt, mittlerweile ist es eine ganz liebe Freundin von mir, die eben auch gesagt hat, „wovor hast du eigentlich so Angst? Was belastet dich?“ Belastung kann ja auch dazu führen, ganz offensichtlich, dass man dann eben körperlich dann auch irgendwelche Symptome bekommt. Der Eine kriegt Migräne, wenn ihm alles zu viel wird, der Nächste kriegt Herzprobleme, wenn ihn irgendwas zu sehr belastet – bei mir war es eben der Rücken oder es ist immer wieder der Rücken. So viel zum Thema – also das ist so ein Zeichen für mich, damit umzugehen, wenn mir irgendwas eigentlich zu viel wird. Das ist wie so eine kleine Alarmanlage, die dann angeht. Und ich denke, da wurde das intensiviert. Zur Rehabilitation, sicherlich auch durch meine Physiotherapeutin, die mich betreut hat, auch die Osteopathin. Auf jeden Fall der Psychologe, der mir ganz andere Dimensionen noch so, das muss man sich vorstellen wie so ein Haus: Man ist in einem Haus, kennt bestimmte Räume. Das Haus ist man selber. Und man kriegt so Türen geöffnet oder man öffnet auf einmal Türen, wo man reingucken kann, wo man das Gefühl hat, das hätte ich jetzt gar nicht gedacht, dass das auch zu meiner Gesundheit beiträgt. Ja also so als Bild jetzt mal.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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