Patientenbeitrag

Selina Flemming stellte sich in der Therapie nach dem Bandscheibenvorfall stets die Frage: Was tut mir gut?



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Vielleicht auch das Wichtigste bei diesem ganzen Angebot, was man so haben kann, ist dass man selber – also ich habe das für mich zumindest so erschlossen – dass ich für mich gucken muss oder musste: Ich kann vieles machen, aber was tut mir am Ende auch gut? Viele Menschen begeben sich so in die Hände von Ärzten oder von Therapeuten und sagen, „mach mit mir, mach mich gesund“. Der Ansatz müsste anders herum sein. Also ich gucke, was mir vielleicht geboten wird, weil man sich ja vielleicht nicht so auskennt, und ich gucke aber, was mir gut tut. Und da kann im Fachbuch hundert Mal drin stehen, Stufenlagerung bei Bandscheibenvorfällen wird empfohlen – wenn es mir aber nicht gut tut, und so war es bei mir auch, dann mache ich das natürlich auch nicht. Na und ich denke, das ist bestimmt auch ein Teil der Genesung gewesen oder vielleicht auch das Wichtigste, dass ich immer geguckt habe, was tut mir gut und was sollte ich lieber lassen? Was sollte ich vielleicht intensivieren, was sollte ich auch weglassen? Ich habe auch irgendwannmal zu irgendeinem Zeitpunkt mit meiner damals mich behandelnden Ärzten gesprochen und habe das Gefühl gehabt, mir ist alles zu viel. Die meinen das alle gut, ja die haben bestimmt auch alle helfen wollen, logischerweise, aber ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben. Und das habe ich dann so geäußert und dann hat sie gesagt, „na gut, dann machen Sie das, dann machen Sie das, was Ihnen gut tut“. Und dann bin ich eben nur spazieren gegangen und habe erstmal gar nichts weiter machen lassen. Ja also das ist denke ich das Wichtigste, dass man sich bewusst wird, was tut mir gut, was bringt mich wieder ins Gleichgewicht? Letzten Endes geht es ja auch darum, dass man ja offensichtlich nicht mehr im Gleichgewicht ist, sonst wäre man nicht krank geworden, ja sonst wäre ich nicht krank geworden. Und was kann mir helfen um wieder in dieses Gleichgewicht zu kommen?
Ich denke, dass ich die Eigenwahrnehmung durch den Sport eh schon hatte, aber die hat sich verschoben. Nicht mehr so auf dieser Leistungsebene, sondern auf der sogenannten Wohlfühlebene. Ja das Wort Wellness klingt immer so ganz toll, aber die Wellness fängt eigentlich bei sich selbst an, also die Eigenwahrnehmung. Und ich denke, die hat sich, der Blick hat sich geschärft. Ich gucke da denke ich intensiver hin oder offener hin. Oder die Türen, von denen ich jetzt so oft schon gesprochen habe, die öffnen sich leichter jetzt. Das Scharnier war irgendwie ein bisschen verklemmt oder so, so als Bild, und jetzt gelingt es mir leichter bestimmte Türen zu öffnen und zu gucken, „ist da jetzt noch Dreck in dem Zimmer oder ist das in Ordnung so? Oder wo hängt es denn jetzt gerade?“

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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