Patientenbeitrag

„Ich kann nicht andere dafür verantwortlich machen, dass es mir so geht, wie es mir jetzt geht“ – Selina Flemming



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Es ist sicherlich so, dass ich zum Teil vom Elternhaus so erzogen bin, mich nicht einfach den Dingen so hinzugeben und ich sage jetzt mal die Opferrolle so zu erfüllen, sondern zu sagen, „also ich habe eine Eigenverantwortung, es ist mein Leben“. Ich kann nicht andere dafür verantwortlich machen, dass es mir so geht, wie es mir jetzt geht. Es ist sicherlich immer ein Gesamtgefüge, wir leben ja nicht isoliert normalerweise, sondern eben im sozialen Kontext irgendwie, aber letzten Endes trage ich immer für mich die Verantwortung, ob ich dieses Medikament, was mir empfohlen wird, jetzt schlucke oder nicht. Ich kann immer sagen „nein!“. Es gibt sicherlich immer soziale Zwänge oder Gegebenheiten, wo man nicht so die Wahl hat, aber eigentlich hat man immer die Wahl. Auch wenn man manchmal denkt, es geht nicht anders. Man hat sich dann vielleicht in so ein Gefüge hineingefügt, wo man das Gefühl hat, jetzt ist das Netz schon so eng und wenn ich da jetzt ausbrechen würde, was würde das machen? Ja sicher muss man da mit den Konsequenzen leben. Aber letzten Endes kann man immer nochmal neu gucken. So war es ja bei mir auch.
Also die Verantwortung, das war ja die ursprüngliche Frage, einfach sozusagen abzugeben, das entspricht denke ich wirklich nicht meinem Naturell. Vielleicht ist es auch, dass in einem das manchmal so steckt, dass man sich gerne in die Hände von jemandem begibt. Also ich werde auch gerne mal an die Hand genommen, aber trotzdem bin ich dabei immer aktiv und gucke, ist der Weg jetzt für mich jetzt noch gut oder ist der nicht so gut? Manchmal dauert es vielleicht auch ein bisschen länger, dass man manchmal auch Kompromisse macht, wo man das Gefühl hat, die mache ich jetzt gerne. Aber es verändert sich ja auch das Leben, und dann hat man das Gefühl, der Weg wird einem vielleicht doch zu steinig oder zu glitschig oder so, wieder so als Bild. Also für mich war es wichtig, immer mit dabeizubleiben.
Und ich denke, das ist auch etwas Wichtiges, was auch bei mir gut geklappt hat: Wenn ich wenn ich mir Hilfe von jemandem hole, egal was es für Behandlungsmethoden sind, ich muss natürlich Vertrauen haben zu demjenigen. Also ich muss eigenverantwortlich bleiben und darüber nachdenken, was ich halt fachlich – wenn ich natürlich überhaupt nicht vom Fach bin, wie soll ich es dann bewerten? Aber man kann sich trotzdem vielleicht im Internet belesen oder auch mal andere Meinungen noch einholen. Aber ich muss mich wohlfühlen und dann traue ich mich bestimmt auch eher mal zu sagen, „das ist jetzt nicht so meines, gibt es vielleicht eine andere Variante?“, als wenn ich zu demjenigen vielleicht kein Vertrauen habe. Das ist natürlich schlecht. Es gibt ja auch viele Menschen, die schon seit Jahren zu ihrem Arzt gehen, weil sie da eben schon seit 20 Jahren hingehen, ältere Leute vor allem, höre ich so in den Kursen, und die trauen sich gar nicht woanders hinzugehen. Ja aber wenn ich mich nicht wohlfühle, weil ich das Gefühl habe, der hört mir eigentlich auch gar nicht so richtig zu, was hält dann dazubleiben? Was soll denn passieren Schlimmes? Aber das muss ja jeder für sich entscheiden.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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