Patientenbeitrag

Erst eine Psychotherapie hat Karl Theodor von Herges geholfen, seine psychosomatischen Schmerzen in Griff zu bekommen



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Sie fühlen sich einfach nirgends mehr wohl. Sie kommen in die Arztpraxen rein und man nimmt Sie nicht mehr ernst. Und die Schmerzen, die sie haben, die sie spüren und erfühlen, die sind aus der Sicht von vielen Ärzten nicht real. Natürlich, irgendwann verselbstständigt sich der Schmerz. Der Ursprung, der ist da, aber der Schmerz ist dann überall im Körper. Ich hatte dann Schmerzen, angefangen vom dicken Zeh bis oben im Kopf und ich brauchte mich nur bewegen und das schmerzte. Ich bin still sitzen geblieben und es schmerzte. Ich hatte also gar keine Chance, überhaupt einen Bewegungsablauf ohne Schmerzen zu machen. Die ich auch, das ist auch ein klassisches Bild, mit Alkohol ertränkt habe, weil es gar nicht ging. Und ich dann auch festgestellt habe, Medikamente und Alkohol, „ja, das ist es, das funktioniert ja“. Das hat auch funktioniert. Gut, dann hat man sicherlich im Kopf die eine oder andere Nervenregion mit erwischt und betäubt, wo man sagen konnte, „gut, jetzt habe ich den Schmerz nicht gespürt, nicht gefühlt“. Die Zeiten gab es auch, die zogen sich auch über Wochen, über Monate hinweg. Auch da bin ich durch gegangen. Die Schmerzen, die waren für die Ärzte und für die Außenwelt nicht erfassbar. Also nicht real nachvollziehbar. Für den Betroffenen, für mich, war der Schmerz real. Und es ist schlimm, dann Medikamente zu bekommen und auf der einen Seite zu wissen, das funktioniert gar nicht. Man vertraut sich den Ärzten an, sie bekommen Medikamente und dann bekommen sie eine Steigerung. Und wenn sie das Glück haben und zeitnah therapeutische Unterstützung bekommen, Psychotherapie, oder sonst irgendetwas, dass sie dann die Möglichkeit erhalten sich auch persönlich zu verändern. Dann kommen sie vielleicht auf einen Weg, wo man sagen kann: Gut, ich habe es verstanden. Ich habe verstanden mit den Schmerzen umzugehen. Ich habe verstanden mit den Schmerzen zu leben und man hat dann die Möglichkeit tatsächlich eine Veränderung durchzuführen, wenn es einem gelingt.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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