Patientenbeitrag

Um sich von seinen schweren Depression zu befreien, hat Karl Theodor von Herges eine Gestalttherapie begonnen



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Sie waren immer irgendwo in so einem Delirium und gar nicht mehr richtig da. Sie haben Tagesabläufe, Tagesgeschehen gar nicht mehr registrieren können, nicht mehr voll wahrnehmen können. Sie haben Phasen gehabt, wo sie Tag für Tag geschlafen haben, aber auch nachts. Sie konnten nur noch schlafen. Das war auch das Beste. Aber es hat sich nichts verändert, die Schmerzen sind einfach geblieben. So, und wenn man an dem Punkt angekommen ist und eigentlich nichts mehr mitbekommt, dann ist das Leben auch nicht mehr lebenswert. Sie konnten nicht mehr spazieren gehen, Fahrrad fahren war nicht mehr möglich. Sport, was sehr sehr wichtig ist, war nicht möglich. Aber ich weiß heute, dass alles oder viel ganz einfach die Psyche ist. Und ich glaube zu dem damaligen Zeitpunkt hat man das vielleicht nicht so wirklich gewusst, dass man auch in der Richtung sehr sehr viel tun muss. Ich weiß es heute besser. Es ist ein sehr sehr wichtiger Aspekt für den Menschen für die Genesung in diesem Fall, aber auch in leichteren Fällen. Und ich musste das auch tatsächlich für mich in Anspruch nehmen. Ich habe Heilpraktiker kennen gelernt, zwei, drei, die ich dann aufgesucht habe und mir dort therapeutische Unterstützung geholt habe. Aus eigener Tasche finanziert, weil es einfach nicht anders möglich war. Ich bekam keinen Termin. Dann habe ich auch über zwei Jahre Gestalttherapie mitgemacht und habe sehr sehr viele Impulse für mich da rausgezogen und selber auch gelernt, ich konnte eine ganze Menge umsetzen. Seit anderthalb Jahren ohne Arbeit, nach diesem langen Prozess bin ich jetzt wieder auf dem Weg, wo ich sage, „ich kriege alles wieder mit“. Ich kann auch wieder Auto fahren. Das macht auch wieder Spaß. Was früher auch nicht so wirklich funktioniert hatte, wo ich auch Angst davor hatte. Die Ängste selbst spielten natürlich in dem gesamten Prozess und Ablauf eine große Rolle. Aber ich habe eine Phase erreicht, wo ich mich mit der Umwelt, so nenne ich es mal, arrangiert habe.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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