Patientenbeitrag

Durch die Psychotherapie sind die Schmerzen für Karl Theodor von Herges besser lokalisierbar und damit erträglicher geworden



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Die sind da, wo sie hingehören. Wenn ich sage, „ich habe Rückenschmerzen“, dann kann ich es beziffern. Früher habe ich gesagt, „Rückenschmerzen“ und dann war es Schulter, dann war es Brustwirbel, dann war es Lendenwirbel und es war auch Hüfte, aber alles war irgendwo immer Rücken. Und ich meine, ich hatte zwar auch diese Empfindung gehabt, wenn es das Bein weh tat, natürlich Bein, aber irgendwie… Ich hatte keine Erklärung, wo kommt das jetzt her? Deshalb immer irgendwie Rücken. Rücken, Beine… so auf unterschiedliche Art und Weise hat sich der Schmerz dann immer gezeigt. Natürlich war dann immer der Schmerz, klar im Bein, in der Schulter oder sonst irgendwo, das war ja auch gegeben, aber ob der wirklich da war, das denke ich, war wirklich nicht so.

Die Schmerzen haben sich dahin gehend verändert, dass sie zentraler geworden sind. Sie sind bestimmender geworden. Das heißt, wenn ich ein Problem im Rückenbereich hatte, dann konnte ich sagen, die sind da und ich habe sie auch dort gespürt. In der Vergangenheit war es nicht so deutlich erkennbar. Es war ein Schmerz da, der konnte im Bein stecken, aber insgesamt war es immer Rücken. Oder im Fuß. Also wie gesagt, eine Grundkomponente war immer gegeben durch den Rücken, aber der hat sich so weit verselbstständigt, dass der überall auftauchte. Und das ist natürlich eine psychische Komponente. Sie werden dann im ganzen Körper diese Probleme erfinden und ertasten können. Selbst Berührungen an unterschiedlichen Stellen führten zu Schmerzen. Es war schon eigenartig, gar nicht erklärbar, nicht nachvollziehbar, für mich nicht.

Und alles insgesamt führt dann natürlich zu einem Erfolg, wenn man den hat, wenn der sich einstellt. Klar habe ich Wehwehchen. Ich bin jetzt älter geworden. Ich bin jetzt 49 Jahre. Jetzt kommen vielleicht auch diese Altersbeschwerden, mal hier Zippelchen, da Zippelchen, was normal ist. Aber grundsätzlich erkenne ich heute, wenn ich einen Druck auf das Bein ausübe, da ist etwas. Das war für mich früher nicht gegeben. Oder auf dem Arm oder an der Schulter, wenn ich mich da anfasse, das habe ich früher alles nicht gemerkt. Und diese sensorischen Impulse, die funktionieren wieder, Gott sei Dank. Ich kann also sagen, wenn ich mich schneide, dann tut es da auch weh. Oder wenn ich mir den Fuß stoße, dass es am Fuß weh tut und nicht in der Schulter oder sonst irgendwo. Und das waren alles so Dinge, die waren nicht mehr da. Und da muss man sagen oder kann ich sagen, da bin ich froh, dass es wieder so ist, wie es ist, wie es auch vernünftig sein soll.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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