Patientenbeitrag

Lachen und positive Grundeinstellung haben Selina Flemming im Umgang mit dem Bandscheibenvorfall geholfen



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Zum Lachen zu Mute war mir sicherlich eine Weile natürlich nicht. Ja. Aber mit einer positiven Einstellung mit der Bewertung von Dingen, also einer Neubewertung auch und in der Akzeptanz kann es mir sozusagen wieder ein neues Level ergeben und dann kann man sich auch wieder an Dingen erfreuen. Also ich denke über die Neubewertung auch oder überhaupt die Bewertung, das soll jetzt so sein, also so bin ich damit zumindest umgegangen, habe gesagt, „okay, irgendwie sollte das jetzt nicht mehr sein, es sollte irgendwie anders werden. Ich versuche das jetzt anzunehmen, die neue Situation“. Wenn man so an diesem Punkt ist, dann kann man sich ja auch wieder öffnen. Dann ist nicht mehr alles schlecht und blöd und trübsinnig und man muss dann nicht mehr mit Ablehnung reagieren. Sondern dann kann man sich eben auch an einem Roman, selbst wenn ich Schmerzen – ich habe ja auch Schmerzen gehabt, als ich gelesen habe – da waren vielleicht auch mal lustige Passagen, da konnte ich dann auch mal lachen. Und darüber habe ich das dann auch vergessen. Aber ich denke da steht voran, dass man, also ich habe das irgendwann akzeptieren gelernt und das angenommen für mich. Es ist jetzt so. Diese klassische Frage, „warum musste mir denn das jetzt passieren?“, die habe ich mir natürlich auch gestellt. Aber ich bin da halt nicht da geblieben, sondern: „Gut, das ist jetzt so. Es sollte so sein. Offensichtlich war das Maß zu viel, es war nicht das richtige Maß für mich, dass es gesund gewesen ist. Und jetzt gucken wir hin, an welchen Ecken es sozusagen gekrankt hat.“ Im Grunde haben es Leute, die eher positiv eingestellt sind und eben sowieso gerne lachen, es vielleicht auch leichter in der Krankheitsbewältigung als Menschen, die aus welchen Gründen auch immer eher nicht so positiv eingestellt sind. Wie kann man das nun lernen, wäre jetzt die Frage. Ich denke, es beginnt mit der Akzeptanz. Nicht zu sagen die ganze Zeit, „irgendwie geht der Kelch bei mir nie vorbei, sondern ich muss ja immer, immer kriege ich alles“. Also wenn man so veranlagt ist, ist es schwierig denke ich, dass auch Lachen helfen kann in der Folge dann. Also das anzunehmen, es zu akzeptieren, das ist schon mal die erste Pforte, die sich dann öffnet. Was auch immer dann auch kommen mag. Für mich ist das zumindest so: In jedem Ende steckt ja auch wieder ein Neubeginn. Und wenn sich irgendeine Tür eben verschließt, erschließt sich vielleicht wieder etwas anderes. Und das kann man entweder sehen oder nicht. Ich denke, ich kann das so sehen. Und dann kann man auch wieder lachen. Also dann kann man ja auch wieder schöne Sachen sehen.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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