Patientenbeitrag

Marie Bernstein musste lange herumprobieren, bevor sie eine geeigneten Stuhl für die Büroarbeit fand



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Ich habe dann sehr lange viel experimentiert mit Sitzen. Vor allen Dingen in der Zeit nach dem Bandscheibenvorfall war das ein Riesenproblem für mich, weil ich das Gefühl hatte, alle Stühle, Schreibtischstuhl und so, das war zwar alles ergonomisch korrekt, aber es hat mich alles unglücklich gemacht. Dann habe ich mir so einen großen Pezziball gekauft – war furchtbar, klappte überhaupt nicht. Das ging mit meinem sonstigen Bewegungsbedürfnis gar nicht auf dem Ding zu sitzen und dann mal schnell hier hin, mal schnell da hin, schnell dort hin. Das war schrecklich. Ich habe viel Geld für nichts investiert. Ich hätte danach einen Basar aufmachen können mit Sitzmöglichkeiten, die alle nichts gebracht haben. Und dann habe ich was Witziges entdeckt: An meiner Arbeitsstelle gab es im Keller Stühle, die ganz alt und ausrangiert waren. Die waren aus Holz, das war also die Sitzfläche und hinten hatten die eine Rückenlehne und zwischen Sitzfläche und Rückenlehne war nur ein Metallrohr. Die habe ich aber entdeckt und zwar habe ich mich verkehrt rum auf die gesetzt. Das war fantastisch. Sodass ich den Stab zwischen die Beine nehmen konnte und mich wirklich oben mit dem Oberkörper an diese Rückenlehne lehnen und dann fantastisch am Schreibtisch arbeiten konnte. In Sitzungen war das herrlich, ich bin immer durch meinen Arbeitsplatz mit diesem Stuhl in der Hand gewandelt und überall, wo wir Besprechungen hatten, habe ich meinen Stuhl aufgepflanzt. Das war äußerst entlastend für die Wirbelsäule. Das war eine tolle Sache. Ich habe das immer ausgenutzt um sozusagen in einen Mini-Sketch zu demonstrieren, warum das so toll ist. Ich konnte es mir leisten, das eher zu zelebrieren, als da verschämt meinen Stuhl hinzustellen und zu hoffen, dass das niemand sieht. Ich habe das eher Slapstick-artig ausgebaut. Irgendwann war dieser Stuhl nicht mehr nötig und ich glaube, mein Rücken war dann auch einfach stabil genug.

Marie Bernstein
Das Interview wurde am 21.04.2013 geführt.

Marie Bernstein ist 63 Jahre alt. Mit 30 Jahren bekam sie erstmals Rückenschmerzen, die sie zunächst mit Schmerzmitteln und Entlastungsübungen in Schach hielt. Etwa 10 Jahre darauf bekam sie aber erneut starke Schmerzen und Lähmungserscheinungen – ein Bandscheibenvorfall wurde diagnostiziert. Daraufhin befasste sich Marie Bernstein eingehender mit ihrem Körper: Sie ließ sich in Alexander-Technik schulen, geht seitdem regelmäßig ins Fitnessstudio und fährt im Alltag viel Rad. Außerdem hat Marie Bernstein gute Erfahrungen mit Qigong gemacht und meditiert täglich.

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