Patientenbeitrag

Für Karl Theodor von Herges war es gut, seine Skepsis gegenüber der Psychotherapie zu überwinden und sich einem Therapeuten zu öffnen



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Früher hat man immer gesagt, wenn einer zum Therapeuten, zum Psychologen geht, man ist bekloppt. Ich glaube meine Generation, diese Altersschicht hat das noch viel im Kopf. Ich habe das recht schnell auf die Seite gelegt, weil ich keinen Ausweg hatte. Ob da einer sagte, „du bist bekloppt“ oder nicht, ich kriegte sowieso viele Dinge nicht mit. Andererseits, sicher ist es ein Problem. Sie lernen dort eine Frau, einen Mann kennen, ich benenne es mal, sie müssen sich ausziehen bis zum geht nicht mehr, um wirklich erfolgreich da rauszukommen. Wenn man sagt, was ist erfolgreich? Für mich war erfolgreich, stückweise zu sagen, ich kann am Leben wieder teilnehmen. Ich kann vielleicht normal Laufen. Ich kann wieder Fernsehen gucken. Ich nehme die Dinge wieder wahr, so wie sie früher waren. Ich habe gar keinen hohen Anspruch daran gestellt. Ich wollte nur ganz einfach wieder teilhaben an so vielen Dingen, die ich früher gemacht habe und die einfach nicht mehr da, nicht mehr gegeben waren. Das ist natürlich ein Weg des Vertrauens. Die Chemie muss stimmen. Man muss ein Stück weit gucken – derjenige, der vor mir sitzt oder diejenige, kann ich mich der anvertrauen? Was hat sie für eine Ausstrahlung? Will sie überhaupt mit mir arbeiten? Ich habe dann glücklicherweise meinen Therapeuten kennen gelernt. Die Chemie passte und der hat mir dann gezeigt, oder wir haben erarbeitet, muss ich sagen, dass ich andere Dinge tun kann. Dass ich wieder, wenn ich es will und das ist natürlich die Grundvoraussetzung, bekennen muss, an mir arbeiten muss, selber verändern muss. Ich bin dann im Grunde genommen durch die Schule gegangen. Ich nenne es mal, wie ein Kind durch seine Eltern begleitet wird, so habe ich im Grunde genommen über die knapp zwei Jahre dann letztendlich wieder gelernt, so Empfindungen, Gefühle und so weiter. Aber selbst die Gefühle, die waren irgendwie abgestumpft, die haben viele Dinge nicht mehr mitbekommen. Und das war meine Chance und ich habe sie genutzt. Ich habe es glücklicherweise verstanden, das zu nutzen und dann auch für mich positiv umzusetzen.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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