Patientenbeitrag

Die Selbsthilfegruppe war für Karl Theodor von Herges eine große Hilfe im Umgang mit der Krankheit



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Wie bin ich eigentlich dazu gekommen? Ich habe Ärzte gesucht, die mir helfen. Und ich weiß heute auch, dass von den Ärzten sicherlich einige dabei waren, die konnten wirklich nicht helfen, weil sie die Erfahrung ganz einfach nicht hatten. Aber da waren auch einige dabei, die nicht helfen konnten, weil es einfach nichts zu helfen gab. Ich konnte mich aber mit dem Zustand nicht arrangieren. Und da habe ich geguckt: „Mensch, da muss es doch etwas geben. Man muss sich doch irgendwo austauschen können. Man muss doch die Erfahrung, die man selber gesammelt hat, mit den Ärzten und mit dem Krankheitsbild weitergeben.“ Positiv weitergeben, aber vor allen Dingen auch positive Impulse zurück bekommen. Ich bin dabei geblieben und dann bin ich zu der Selbsthilfegruppe gekommen. Das war ein Anspruch an mich selbst, der für mich wichtig ist und auch wichtig war, um zu wissen: „Liege ich mit der ganzen Informationskette, die ich selber aus meinen körperlichen Erfahrungen gesammelt habe, richtig oder nicht?“ Und das hat dann dazu geführt, mich weiterzubilden, so gut es eben ging. Und für mein Gefühl war es der richtige Weg. Für mich waren, sage ich mal, die ersten zwei, drei Jahre sehr wichtig. Ich hatte für mich das Gefühl, dass ich irgendwo angekommen bin. Das war ja lange nicht mehr gegeben und das brachte mich dann im Grunde genommen auch ein Stück weit zu vielen Prozessen, zu vielen Entscheidungen, zu vielen positiven Ergebnissen. Die Menschen, die mit in der Gruppe sind, die vertrauen mir. Ich vertraue den anderen auch. Die hinterfragen auch nicht, selbst wenn ich mal irgendwas falsch machen würde. Das kommt aber glücklicherweise nicht vor. Ich habe die Selbsthilfegruppe in erster Linie für mich gegründet. Ich habe aber erkannt, dass es nicht allein um mich geht, aber dass es in der Gemeinschaft für mich positiv ist und in der Gemeinschaft für den anderen positiv ist. Und so ist das entstanden und auch gewachsen. Ich bekomme Impulse. Ich gebe Impulse. Ich bin nun in der glücklichen Lage, dass ich mehr Impulse gebe, als ich sie mittlerweile brauche oder bekomme, was einem natürlich wieder ein sehr schönes Gefühl gibt. Auch eine Wertigkeit, zu sagen, „man ist sich selber wieder etwas wert“. Man kann doch noch ein bisschen was und vor allen Dingen macht es Spaß. Ich glaube, wenn ich da keinen Spaß dran hätte, würde ich es auch nicht mehr tun.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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