Patientenbeitrag

Die Frühverrentung nach den Bandscheibenvorfällen war für Karl Theodor von Herges schwer zu akzeptieren, hat ihm aber letztendlich gut getan



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Ich bin dann berentet worden. Selbst da war es für mich ein Problem, das auch zu akzeptieren. Das hat eine ganze Zeit gedauert. Vier, fünf Jahre habe ich gebraucht. Ich sage mal, die letzten anderthalb Jahre, muss ich sagen, geht es mir gut. Ich habe die Problematik der Berentung auch verstehen können. Selbst da war so ein Ansatz: Auf der einen Seite war mir klar: Es geht nur noch mit der Rente weiter. Die Möglichkeit zu haben in Rente zu gehen, das ist okay. Das gibt ein Stück weit Sicherheit. Natürlich, sie werden finanziell ein bisschen aufgefangen, was ja auch stattgefunden hat. Aber die Tatsache aus dem Beruf, aus dieser Situation heraus auf einmal abzustürzen und nicht mehr zu arbeiten, das war für mich ein Problem. Ich habe meine Arbeit geliebt, ich habe sie immer gerne gemacht. Ich behaupte auch, dass ich erfolgreich war. Klar, keine Frage, das machte sich dann natürlich auch am Verdienst hinterher bemerkbar. Das ist auch ganz klar. Nur Fakt ist, wenn man Dinge gerne macht, trennt man sich davon ungern. Und so ist es auch mit dem Job. Ich habe Jahre gebraucht, um das vom Kopf und vom Körper her, ich weiß nicht, wer das zuerst akzeptiert hat. Aber ich habe lange gebraucht und manchmal denke ich heute noch darüber nach, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es so ist, wie es momentan ist. Weil ich nicht weiß, was passieren würde, wenn ich heute gezwungen werden würde, wieder irgendwo ins Arbeitsleben reinzukommen, ob ich das körperlich überhaupt schaffen würde. Und diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich möchte es auch ehrlich gesagt nicht ausprobieren, weil ich dafür, ich nenne es mal einen Leidensweg, gegangen bin, den ich auf keinen Fall wieder gehen möchte. Und ich möchte nun mal noch ein paar Jahre alt werden.

Karl Theodor von Herges
Das Interview wurde am 12.06.2012 geführt.

Karl Theodor von Herges ist 49 Jahre alt. Mit Anfang 30 hatte er einen ersten Bandscheibenvorfall, auf den in den kommenden 15 Jahren zwei weitere folgten. Mit den chronischen Schmerzen entwickelte sich bei Karl Theodor von Herges eine lang anhaltende Depression, die er erst vor etwa acht Jahren in den Griff bekam. Dazu beigetragen haben eine Psycho- und Gestalttherapie, eine Selbsthilfegruppe mit anderen Schmerzpatienten sowie regelmäßiger Kraftsport und Tai-Chi. Infolge seiner chronischen Schmerzen wurde Karl Theodor von Herges vor 13 Jahren frühberentet.

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