Patientenbeitrag

Auch im familiären Umfeld hat Christine Wagner gelernt, Grenzen zu setzen



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Meine Familie akzeptiert das, muss ich ganz ehrlich sagen. Also ich habe ja eben gesagt, die sind mit sich beschäftigt. Mein Mann macht auch in der Hinsicht relativ viel für sich. Da lässt jeder jedem auch seine Freiheit. Da muss ich sagen, also da gibt es gar nichts, sodass man das gut in den Alltag integrieren kann. Auf der anderen Seite darf man auch nicht erwarten, dass da viel von der Familie als Hilfe kommt. Eine Zeit lang war das für mich recht schwierig bis ich mir dann irgendwann mal mir die Gedanken darüber gemacht habe, warum ich mir so eine Familie eigentlich angelacht habe. Ich habe immer das Gefühl, ich muss alles alleine machen. Und das hat mich dann immer so geärgert. Ja, wie das ja oftmals ist. Die Frau ist für alles verantwortlich, fühlt sich für alles verantwortlich, meint sie müsste dieses und jenes alles tun. Ja und das habe ich natürlich für mich auch mal auf den Prüfstein gestellt. Ja, immer wieder mal, sodass ich auch da Verhaltensweisen geändert habe. Dass ich zum Beispiel sage, ja gut, jedes Problem muss ich mir weiß Gott nicht anziehen. Die sind ja auch vielfach selber verantwortlich für die Dinge. Dann lass ich einfach auch mal etwas laufen. Ja, ganz bewusst. Die sind alt genug und sie müssen auch Schrittchen für Schrittchen lernen eine gewisse Selbstständigkeit zu erlangen. Da sagt man zwischendurch mal was, aber mehr dann auch nicht. Tun müssen sie selber und ich lass sie dann auch rennen. Ja, das ist dann schon mal insofern ganz gut, dass ich mir nicht ständig die Probleme anderer Leute auflade, sprich meiner Kinder oder meines Mannes.
Aber für mich persönlich habe ich jetzt die Erklärung, was heißt Erklärung oder die Theorie, dass ich mir sage, okay gut, du hast dir diese Familie angezogen, man schafft ja immer seine eigene Welt, um für dich etwas zu lernen und vielleicht brauchst du das ja gerade, dass du wirklich lernst eben deine Grenzen besser abzustecken. Du musst so dermaßen über deine Grenzen drüber gehen, du bist so dermaßen überfordert bei manchen Sachen und deine Familie hält dir da sozusagen den Spiegel vor. Damit du das lernst, damit du dir ein anderes Verhalten aneignen kannst. Sodass ich dann irgendwann auch nicht mehr, in dem Sinne böse war ich ja nicht, dass ich sie verantwortlich mache für irgendwas, das ist ja Quatsch. Verantwortlich ist man ja selber, ja, dass ich einfach sage, okay ich habe die Familie, die spiegelt mir das, also muss ich was ändern, weil ändern kann sowieso immer nur ich. Ja und dann ändert sich auch was im Außen. Wenn ich nichts ändere oder immer nur von anderen eine Veränderung erwarte, funktioniert das nicht. Hier muss ich anfangen, bei mir.

Christine Wagner
Das Interview wurde am 10.02.2011 geführt.

Christine Wagner ist 51 Jahre alt. Aufgrund starker Rückenschmerzen wurde bei ihr vor 10 Jahren (irrtümlich) Morbus Bechterew diagnostiziert. In intensiver Auseinandersetzung mit dieser Krankheit hat Christine Wagner ihr Verhalten und ihre Einstellungen überdacht und verändert. Durch regelmäßige Bewegung, gezielte Übungen und einen anderen Umgang mit Stress ist sie mittlerweile schmerzfrei.

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