Patientenbeitrag

Als Ausgleich fürs viele Sitzen macht Selina Flemming Dehnübungen für die Oberschenkel- und Hüftmuskulatur



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Mir tut gut, mich immer mal zu dehnen. Es gibt bestimmte Muskelgruppen, vor allen Dingen für Leute, die viel sitzen müssen, die dann dazu neigen, wenn man keinen Ausgleich dafür anbietet, dann zu verkürzen. Im Hüftbereich gibt es da so einen Muskel, der eben dazu neigt, dann eben sich sehr zu verkürzen und der zieht dann sozusagen das Becken nach vorne, wenn man sich das so vorstellt von der Seite. Und dadurch gerät das Becken sehr ins Hohlkreuz. Und wenn man da eh schon Probleme hat und wir haben ja eh schon eine Lordose, sagt man dazu, also eine Hohlkreuzausprägung im unteren Rückenbereich und dann zieht das sozusagen noch mehr ins Hohlkreuz, dann kommt es ja eigentlich zu einem Überhohlkreuz. Also eigentlich zu einem mehr, was nicht sein sollte. Und wenn ich da eh ein Problem schon habe, dann sollte ich gucken, dass dieser Muskel eben gedehnt wird. Dass die Muskeln, man spricht dann auch von einem ausgeglichenen Muskelsystem, dass keine sogenannten Dysbalancen entstehen. Dass sozusagen sowohl der vordere Anteil als auch der hintere Anteil, also vorderer Bereich der Muskeln vom Oberschenkel als auch der hintere Anteil vom Oberschenkel, dass die beide gleich gut gedehnt sind.
Da gibt es unterschiedliche Haltungen, die man einnehmen kann. Also entweder stellt man sich hin, stellt sich auf ein Bein, das andere Bein, das winkelt man an und versucht mit der Hand dann das Fußgelenk anzufassen. Wenn das nicht geht, weil man vielleicht nicht mehr so beweglich ist, dann kann man sich einen Schal nehmen oder eben einen Schlips oder was auch immer, ein Seil. Und dann wickelt man das um den Fuß und dann versucht man den Fuß, also die Ferse zum Gesäß hochzuziehen. Dann zeigt theoretisch das Knie nach unten und beide Knie sollten nebeneinander bleiben. Also dass man sozusagen nicht das Bein öffnet, sondern eben dass das Knie nach unten zeigt und beide Knie nebeneinander sind. Das kann schon bei dem ein oder anderen reichen, dass das dann auch hier oben im Hüftbeuger zieht. Bei manchen zieht es aber auch eher so in Knienähe oder mittlerer Oberschenkel, das reicht dann nicht. Dann gibt es die Möglichkeit, dass man einen Ausfallschritt macht, also ein Bein nach vorne stellt, das andere Bein nach hinten, und versucht den Körperschwerpunkt nach vorne unten zu drücken. Das heißt das vordere Bein wird angewinkelt und das hintere Bein sollte man versuchen, möglichst so gestreckt wie möglich zu halten und dann macht man in dem Bereich, wo also dieser Muskel sich befindet, also Ansatz Hüfte und Oberschenkel, dass es da zu einer Dehnung kommt, indem man eben den Körperschwerpunkt richtig weit nach unten verlagert, vorne unten. Man kann das Ganze auch, wenn das auch nicht reichen sollte, mit der Möglichkeit probieren, dass man das Bein, was man anwinkelt, dass man das ein bisschen erhöht irgendwo aufstellt, dass der Winkel sich ein bisschen verändert. Das ist so im Stehen die Variante. Und dann im Liegen geht das auch in der Seitenlage, dass man sich auf die Seite legt und das obere Bein, was dann sozusagen nach oben ausgerichtet ist, auch ranzieht, Ferse zum Gesäß, und dann versucht das Knie nach hinten wegzuziehen. Und das untere Bein, das biete ich immer so an, dass man das nach oben zur Brust zieht. Also Knie zur Brust hoch, damit man nicht so sehr in das Hohlkreuz rutscht. Das hat sich so gezeigt, dass die meisten das als angenehmer empfinden. Es gibt ja auch viele, die im Stehen Schwierigkeiten haben. Ich sage immer zu meinen Kunden, Klienten: „Ich versuche Ihnen ein reichhaltiges Buffet anzubieten und Sie gucken einfach mal was Ihnen schmeckt, was Ihnen gut tut.“ Weil es gibt nicht eine Übung für alle Menschen auf der Welt. Das gibt es nicht. Es gibt unterschiedliche Übungen und das ist natürlich dann gut, wenn man die auch kennt und wenn man die dann offerieren kann und dann liegt es aber – und da sind wir wieder bei der Eigenverantwortung und bei der Eingangsthematik, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen – zu sagen, „also ich habe jetzt den Mut auch zu sagen, Therapeut, das tut mir jetzt aber gar nicht gut“. Weil man kann schon unterscheiden, ist das jetzt ein Dehnungsschmerz oder ist es etwas ganz anderes?

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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