Patientenbeitrag

Beim Bücken und Heben hat sich Selina Flemming rückengesunde Abläufe angewöhnt



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Wenn ich jemanden das versuche zu erklären oder mit jemandem das versuche zu üben, dann versuche ich dem immer das Bild zu geben: „Versuche dir mal vorzustellen, dass du dich jetzt auf die Toilette setzen möchtest.“ Das ist so eine Bewegung nach hinten weg und da kippt man das Gesäß so ganz leicht nach hinten weg, weil man sich ja hinsetzen möchte. Da kann man sozusagen im unteren Rücken schon mal gar nicht krumm werden. Da ist man automatisch sozusagen im unteren Rücken so wie es eigentlich sein sollte. Und im oberen Bereich versuche ich dann ihnen das Bild zu geben, dass sozusagen das Brustbein nach oben aufgerichtet ist. Also ich kann ja mich krumm machen und dann geht das Brustbein runter, die Brust auch runter oder ich kann eben sagen, das Brustbein ist sozusagen nach oben ausgerichtet und schon habe ich hier im oberen Bereich und auch dann im unteren Bereich die Haltung, die eigentlich dieser Form entspricht. Dann ist die Frage noch, wie der Kopf sich stellt. Man sagt eigentlich immer, der Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule, also nach wenn ich nach vorne gehe, möglichst nicht den Kopf nach unten nehmen. Weil der sich dann, hier oben kommt es dann zu einem Knick und da, wo Knickstellen sind, ist immer eher ungünstig, weil dann eben immer diese flächenhafte Belastung aufgelöst wird und zu einer punktuellen wird.
Oder wenn ich zum Beispiel den Geschirrspüler ausräume, dann war es eben früher, dass ich mich vorgebeugt habe, weil der Geschirrspüler ist ja meistens unten. So und jetzt ist es so, dass ich mich mit einer Hand eben am Oberschenkel abstütze. Das ist denke ich einfach so drin. Und wenn ich etwas Schweres hebe, dann versuche ich das irgendwie eben auch über die Beine so ein bisschen abzustützen und dann rauszunehmen. Das ist auch automatisiert. Oder so schnelle Drehbewegungen – also Drehen ist ja in Ordnung, das braucht ja die Wirbelsäule auch. Um Gottes Willen nicht falsch verstehen, man sollte jetzt nicht ständig nur gerade und ständig nur aufrecht und ständig nur – früher wurde das ja so gelehrt, eine bestimmte Haltungen über einen langen Zeitraum, das ist in Ordnung, aber das ist ja nicht mehr so. Die Wirbelsäule braucht Bewegung und das mache ich ja trotzdem, aber eben wenn es um schwere Dinge geht, also wenn es darum geht schwere Sachen zu heben, versuche ich das schon sehr achsengerecht zu machen. Das hat sich denke ich eingebrannt. Achsengerecht heißt, dass man eben versucht, die Wirbelsäule, die von der Physiologie ja so doppelt S-förmig geschwungen ist, wo die Belastung sozusagen der Bandscheiben optimal dann ist, weil sie flächig ist und nicht punktuell stattfindet, dass sozusagen so eine optimale Belastungskette stattfindet, dass das gegeben ist bei schweren Lasten. Und das habe ich verinnerlicht, dass der Rücken dann eben auch so ist, so aufgerichtet und so entsprechend seiner physiologischen Grundanatomie.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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