Patientenbeitrag

Da der Körper sich erst an neue Anstrengungen gewöhnen muss, empfiehlt Simone Mehring, das Training richtig zu dosieren



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Ein Belohnungssystem brauche ich eigentlich nur am Anfang, wenn es alles noch keine Routine ist, denn gerade wenn man noch nie richtig Sport gemacht hat, der Körper ist ein Gewöhnungstier und das Irre ist, dann passiert Folgendes: obwohl der Körper es eigentlich braucht und man dann mit Bewegung anfängt, dann sagt er als allererstes, „Was machst du hier mit mir? Ich finde das gar nicht gut. Das ist anstrengend. Wieso muss ich Zucker aus meinem Glucogenspeicher holen, ich habe vergessen, wo meine Hormone dafür liegen, ich weiß gar nicht mehr, wie das geht, ich finde das anstrengend, lass das bleiben, ich mache jetzt Kopfschmerzen und fühle mich schlapp. So.“ Und dann braucht man drei Monate, das muss man einfach wissen. Wenn man sich körperlich betätigen will von Null auf irgendwas, egal was. Der Körper ist ein Gewohnheitstier, der braucht drei Monate um sich umzustellen. Das heißt, man muss für die Dauer von drei Monaten sich regelmäßig belohnen, weil danach kommt die körperliche Belohnung, aber die Zeit braucht es. Da muss sich so viel umbauen im Körper, das sieht man ja alles nicht, aber es ist so viel was sich dann ändert, das muss der erst mal hinkriegen und am Anfang sagt er zu allem was neu ist erstmal „nein, ich will nicht“. Und ich meine, das merkt man ja auch, wenn man irgendwie ungewohnte Sachen macht oder so, da ist am nächsten Tag alles irgendwie steif und verkrampft und alles ist ungewohnt. Und dieser Effekt, dass ihm etwas gut tut, das dauert einfach. Das einzige, was von Anfang an angenehm ist, das ist alles was Entspannung bringt. Und die meisten Leute machen den Fehler, sie übertreiben einfach. Sagen „ich geh jetzt von Null auf Hundert“. Also die verlangen plötzlich von sich was ab, was nicht gehen kann und dann ist es zu viel und dann scheitern sie, merken, da kommt der Körper natürlich auch schon erst recht an und sagt nicht nur „ich fühle mich hier überfordert, du hast hier was geändert“ sondern gibt dann natürlich Überanstrengungssignale. Und dann kommt gleich der Gegenschub. Und dieses Dosieren, das ist für jemanden, der es noch nie gemacht hat, auch fast unmöglich. Der braucht da Hilfe. Deswegen sind diese Laufanfänger-Kurse so wichtig. Also das ist extrem wichtig. Wenn man das einmal weiß, dann ist das was anderes. Dann amüsiere ich mich auch schon selber darüber. Wenn ich dann irgendwas mache, was ich lange nicht mehr gemacht habe, dann gibt es so Zwiegespräche, sag ich, „komm, wenn du dir jetzt ein bisschen Mühe gibst, dann darfst du auch gleich auf die Couch“. Und das hilft dann auch.

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 20.02.2011 geführt.

Simone Mehring ist 46 Jahre alt. Mit Anfang 40 bekam sie heftige Rückenschmerzen, woraufhin sie ihr regelmäßiges Lauftraining deutlich einschränken musste. Durch ihre intensive Ursachensuche und einen aktiven Lebensstil mit Gymnastik, gezielten Dehnübungen und ausgewogener Ernährung hat sie heute kaum noch Rückenschmerzen.

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