Patientenbeitrag

Auch in belastenden Situationen behält Simone Mehring ihren Humor und gibt nicht auf



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Und was man braucht, ist Humor. Also immer eine Menge Humor und die Möglichkeit, über sich selber zu lachen, weil man so häufig so dämlich aussieht dabei. Ja es fängt damit an, ich stehe auf dem Bahnsteig, ich merke „oh du hast dich gerade wieder ausgerenkt“. Ich habe meinen Rucksack mal eben so völlig gedankenlos von der einen Schultern geschmissen da krrk. So, was mache ich jetzt? Bahnsteig ist voller Leute. Ich weiß ganz genau, damit ich das jetzt wieder einrenken kann, muss ich mich jetzt gegen so einen Laternenpfahl lehnen, so irgendwie so mich verbiegen, dass alle Leute sagen, „fällt die gleich um, kriegt die Schaum vorm Mund?“ ja jetzt bin ich entweder cool und habe Schmerzen oder bin uncool. Da muss ich über mich lachen können. Ich bin ja mittlerweile über 40, also sage ich mir, „OK bis 80 hast du noch Zeit, dann musst du eine schrullige Alte werden, über die sich alle beeiern können, also musst du jetzt anfangen zu üben.“ Und zum anderen, man macht sich eh im Leben zum Affen, sowieso. Es gibt keinen, der das nicht tut. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten, entweder ich ärgere mich darüber, dann fühle mich schlecht oder ich lache drüber. Ja, Lachen ist irgendwie schöner. Und auch wenn ich zuhause übe, ich mache irgendwas, ich beiße in den Teppich. Manchmal habe ich auf dem Boden gelegen, ich habe gemerkt, hier ist was verdreht, ich kriege das nicht raus, ich drehe mich in alle Himmelsrichtungen, ich kriege das nicht, ich beiße in den Teppich, ich haue auf den Boden und sage, „das sieht richtig klasse aus, du machst jetzt hier so richtig das beleidigte Kind, so jetzt noch ein bisschen mit den Füßen strampeln, sieht es noch besser aus“. Also es hilft, weil man weiß ja nicht wo man hinkommt. Es ist so frustrierend zwischendurch, es ist so, ich habe ja nirgendwo eine Tafel, wo drauf steht, „nächsten Sonntag fühlst du dich gut“. Die hätte ich so gern. Ich weiß nicht was kommt und ich habe nicht die Zuversicht, dass es alles klappt, vielleicht bleibe ich die ganze Zeit beim Üben, vielleicht gehe ich in die verkehrte Richtung, keine Ahnung. Aber ich muss doch zwischendurch Spaß haben. Das kann doch nicht aufhören, nur weil ich nicht hundert Prozent perfekt bin, das geht doch nicht. Und das ist beim Üben genauso. Wenn ich Humor habe, dann kann ich auch damit leben, dass mich alle anderen überholen. Dann sollen die doch rennen.

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 20.02.2011 geführt.

Simone Mehring ist 46 Jahre alt. Mit Anfang 40 bekam sie heftige Rückenschmerzen, woraufhin sie ihr regelmäßiges Lauftraining deutlich einschränken musste. Durch ihre intensive Ursachensuche und einen aktiven Lebensstil mit Gymnastik, gezielten Dehnübungen und ausgewogener Ernährung hat sie heute kaum noch Rückenschmerzen.

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