Patientenbeitrag

Da er seine Sportgruppe nicht versetzen möchte, gelingt es Walter Sievert auch in schwierigen Situationen, seinen Schweinehund zu überwinden



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Natürlich, wenn ich zum Beispiel einen sehr anstrengenden Tag hatte, weil ehrenamtliche Aufgaben zu erledigen sind, dass ich vielleicht auch mal zwei, drei Stunden am Stück am Computer gesessen habe oder durch das Wetter auch mal nicht so ein guter Tag ist, d a n n hat man eventuell auch keine Lust. Wenn es die Gruppe nicht gäbe, würde man an dem Tag abends keinen Sport treiben. Das steht definitiv für mich fest. Aber dann gibt es eben halt so einen Gruppenzwang, wo ich sage, „naja, so schlecht geht das jetzt auch nicht, dass du nicht gehen könntest“. Also egal, ob es regnet oder schneit, es geht los. Und man muss ja auch sehen, wenn jeder so reagieren würde, bloß weil er mal keine Lust hat einfach nicht zum Sport zu gehen, könnte es ja unter Umständen passieren, dann steht die Sporttherapeutin alleine da, die ja die eine Stunde für uns investiert. Und naja, das ist auch nicht gerade… ich sage mal, gibt nicht gerade ein sehr gutes Bild ab auch für eine ganze Gruppe. Also es gibt auch Leute, die einen sehr langen Weg zurücklegen, nur um zu uns zu kommen. Und schon deswegen sag ich mir, „du kannst die Gruppe jetzt hier nicht deswegen im Stich lassen“.

So eine Art Pflicht. Wir sind sowieso nicht so eine große Gruppe und wir spielen wie gesagt alle auch gerne Volleyball zusammen und da zählt jeder, der kommt, und jeder, der heute mal nicht kommen kann, ist ein kleiner Verlust.

Und man spürt auch, dass man in der Gruppe seinen inneren Schweinehund natürlich eher besiegen kann als als Einzelperson zu Hause. Der innere Schweinehund würde dann öfters auftauchen. Und so kann man den mal in die Ecke verweisen und sagen, „du hast heute keine Chance“. Das ist also eher ein gewisser Druck, den man auf sich selber ausübt oder selber zulässt. Ich meine, die höhere Form wäre natürlich, diesem Druck eben immer auszuweichen und zu sagen, „dann gehe ich eben einfach heute nicht. Mir war halt nicht so“. Aber kommt für mich persönlich nicht in Frage. Da muss schon was sehr Ernstes vorliegen, wenn ich einfach nicht zum Sport gehe. Ja, gibt es, passiert sehr sehr selten.

 

grüner Mensch streckt Arme in die Luft mit dunkelgrüner Schattierung
Das Interview wurde am 24.03.2011 geführt.

Walter Sievert ist 61 Jahre alt. Er leidet an Morbus Bechterew. Durch eine verzögerte Diagnose und jahrelange Bürotätigkeit nahm die Erkrankung bei ihm einen ungünstigen Verlauf. Walter Sievert wurde mehrmals an der Hüfte operiert. Heute achtet er darauf, sich genügend zu bewegen, regelmäßig Gymnastik zu betreiben und sich die notwendigen Ruhephasen zu gönnen. Auf diese Weise kann er mit der Erkrankung umgehen.

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