Patientenbeitrag

Selina Flemming musste lernen, sich bei bestimmten Sportarten zurückzunehmen



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Also jetzt, wo ich hier so sitze mit überschlagenen Beinen, also wie man eigentlich gar nicht sitzen soll, ist es gut. Ich merke es aber, wenn ich mich wieder in Situationen rein begebe, wo ich ja eigentlich wissen könnte, dass das eben mir eigentlich nicht so gut tut – sprich zu lange in der Kälte stehen. Also mechanische Reize auch, zu lange bergab laufen, ja also solche Sachen. Oder ich lasse bestimmte Sachen weg, obwohl es mir – ich gebe es auch zu – immer noch weh tut. Ski alpin fahre ich nicht mehr. Ich spiele nicht mehr Volleyball. Ich bin klettern gegangen. Das sind so Sachen, wo ich das Gefühl habe – das ist nur ein Gefühl – ich sollte es lassen. Auch wenn es mir vielleicht erstmal ein bisschchen im Herzen weh tut. Das war natürlich am Anfang noch ganz schlimm, da war ich traurig, dass ich viele Sachen nicht mehr machen kann oder sollte. Obwohl es sicherlich auch Meinungen gibt, ich meine, es ist jetzt schon so lange her, das ist jetzt fünf Jahre her, wo man sagen könnte, „jetzt kannst du“. Es gibt Leute, die joggen dann wieder und so. Aber ich weiß, dass mir das nicht gut tun würde. Ich habe mir dafür andere Sachen erschlossen. Also von Dingen, wo ich gar nicht gedacht hätte, dass mir das Spaß machen könnte. Also das ist so, manchmal schließt sich eine Tür zu und dafür öffnet sich aber eine oder sogar zwei Türen. Man lernt dadurch vielleicht auch andere Leute kennen, die man vorher gar nicht kennen gelernt hätte. Das habe ich auch als etwas Positives gesehen. Aber ich gebe zu, es gibt manchmal so Zeiten, wo ich dann schon das Gefühl habe, vor allen Dingen wenn Freunde oder mein Partner eben bestimmte Sachen machen… Badminton habe ich sehr gerne gespielt, das macht er jetzt mit jemand anderem. Ja ein bisschen weint da mein Herz schon. Aber es gibt Zeiten, wo ich das auch mal überschreite, wo es mir vielleicht auch so gut geht und ich dann vielleicht auch wieder so mitgerissen werde, weil wenn man so geprägt ist — ich meine ich bin ja nun nicht mehr 12, sondern ich bin ja mittlerweile schon Mitte 30 – da Dinge zu verändern wird ja immer schwerer. Also so ist zumindest meine Erfahrung. Man verändert eher Dinge oder ich denke, ich habe eher Dinge verändert, als es richtig dolle weh getan hat. Und wenn es aber einem wieder gut geht, dann ist es schon so, dass ich so das Gefühl habe, na kannst ja doch nochmal wieder probieren. Mache ich ja auch partiell. Also ich gehe jetzt wieder paddeln, aber ich paddele nicht mehr den ganzen Tag durch, so wie wir das die Jahre mal gemacht haben, einen ganzen Tag bis wir irgendwo mal was gefunden haben, sondern ich paddele eben zwei Stunden. Oder wenn ich merke dann irgendwann, jetzt passiert hier irgendwas, dann höre ich eben auf zu paddeln. Also dieses die Grenze Ziehen, was so schwer gefallen ist noch früher, das gelingt jetzt besser. Und dann merke ich auch, das ist vielleicht sozusagen das Feedback, dann hören die Schmerzen auch auf.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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