Patientenbeitrag

In der Zeit nach dem Bandscheibenvorfall war für Selina Flemming eine psychologische Betreuung sehr hilfreich



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Ich hatte beruflich aus unterschiedlichen Gründen, ja war ich da unglücklich oder nicht befriedigt mit meiner Arbeit. Auch im privaten Bereich waren ein paar Sachen, wo ich das Gefühl hatte, ich weiß gar nicht so richtig, wie ich mich da jetzt positionieren soll, wie es jetzt auch weiter gehen soll. Ja, wo will ich eigentlich hin? Auch in meiner Beziehung, mit Freunden, im Umgang mit Anderen? Also da kamen viele Sachen zusammen und das geht ja auf die emotionale Ebene. Wenn man die ganze Zeit so das Gefühl hat, das belastet mich und ich komme da aber nicht voran, so wie wenn man eben eine Verkrampfung hat und dieser Krampf geht nicht weg, wenn ich eine Dehnungsübung anbiete. So hat sich das verkrampft in meinem Inneren. Und da gibt es eben den Psychologen, und das ist, also das ist ein Therapeut, der ja darauf geschult ist.
Es gab da keine Berührungsängste. Ich habe dann in der Zeit, wo das auch mit dem Rücken so ganz schlimm war – es kam noch dazu, dass ich in der Rückenerkrankung, so in der Zeit, wo ich im Krankenhaus war, habe ich dann auch noch meine Kündigung bekommen. Und da hatte ich sicherlich auch existenzielle Ängste. Ich war zwar in einer Beziehung und insgesamt gut eingebettet, aber trotzdem. Wenn man mit seinem Körper zu tun hat, mit seiner Seele, das war ja – also man kann schon sagen, dass es eine Lebenskrise war. Und dann bricht einem noch die Arbeit weg, wo man nicht gedacht hätte, dass das passiert. Ich denke, das war so eine Zeit, wo ich das Gefühl hatte: jetzt brauche ich Hilfe. Jetzt brauche ich wirklich Hilfe, also psychologische Beratung. Weil diese Ängste, die waren so erschreckend – ich konnte damit gar nicht umgehen und wusste auch gar nicht, wo die jetzt herkommen. Also von meinem sonstigen, bisherigen Leben bin ich eher nicht negativ eingestellt oder sehe das Glas nicht halb leer, sondern eher halb voll, also so bin ich ja erzogen worden auch. Aber diese Ängste, das war schon sehr erschreckend. Und da habe ich dann einfach geguckt, wo kann ich mir jetzt psychologische Hilfe holen? Und habe das dann auch in der Rehabilitation auch nochmal , das war eine orthopädische Klinik mit psychosomatischer Klinik und da habe ich, weil ich orthopädisch eingestuft wurde, aber den Kontakt zur psychosomatischen Abteilung gesucht und habe dann da auch um ein Gespräch mit einem Psychologen gebeten. Und ich denke – das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hochtrabend, aber – das ist also ein kleines bisschen auch so ein Geheimnis oder das das Erfolgsrezept, wenn man die Dinge angeht, also den Schritt nach vorne geht. Und nicht immer weiter, sozusagen wenn der Abgrund eh schon hinter einem ist, noch einen Schritt zurück geht, weil man ja Angst hat, was kommt da vorne? Ja was passiert denn jetzt, wenn ich noch einen Schritt nach vorne gehe? Aber hinten kommt auch bloß der Abgrund. Also es kann einem eigentlich nur was bringen, wenn man einen Schritt nach vorne geht, also die Dinge anpackt und sich mit den Dingen auseinandersetzt. Es ist nicht leicht. Also ich sage nicht, dass das eine leichte Zeit war. Das war schon schwierig. Auch beim Psychologen sich mit Dingen auseinanderzusetzen, wo man ja manchmal auch gar nicht so gerne hingucken möchte. Das ist das mit dem Haus, was ich erzählt habe: Wenn man erstmal mutig war und diesen Schritt machen konnte, diese Tür zu öffnen und da mal reinzugucken, dann offerieren sich manchmal Gärten. Erstmal vielleicht auch nicht, aber dann, wenn man ein Schrittchen weitergeht, das ist auf jeden Fall, also für mich war es ein Gewinn.

Selina Flemming
Das Interview wurde am 01.03.2011 geführt.

Selina Flemming ist 35 Jahre alt. In einer Zeit erhöhten beruflichen Stresses erlitt sie mit 30 Jahren zwei Bandscheibenvorfälle. Sie entschied sich, ihre Erkrankung ganzheitlich anzugehen und nahm dabei sowohl physio- als auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch, wodurch sie mittlerweile kaum noch Schmerzen hat. Beruflich hat sich Selina Flemming neu orientiert und betreibt heute eine eigene Bewegungs- und Rückenschule.

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