Patientenbeitrag

Um bei längeren Radfahrten sich nicht mehr zu überlasten, kämpft Andreas Hempler gegen seinen Ehrgeiz



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Zum Schluss ist es die falsche Position. Am Anfang fährt man ja noch locker und entspannt. Das sieht man auch bei vielen Joggern: Die laufen ganz locker los und hinterher sieht man richtig, wie die so eine ungesunde Körperhaltung angenommen haben, um die Schmerzen wegen der Überanstrengung zu vermeiden. Das macht man beim Radfahren natürlich auch falsch, dass man eben immer gebückter fährt, je mehr die Schmerzen zunehmen. Dann gehen die Schmerzen los in der Schulter, ziehen in den Rücken zum Ischias und dadurch versucht man sich immer mehr zu beugen, sodass man praktisch in eine Schutzhaltung, eine Embryonalhaltung auf dem Fahrrad kommt. Das rächt sich natürlich sofort. Aber das macht man einfach so, sonst hält man das nicht durch. Man müsste abbrechen eigentlich, aber macht man auch irgendwie nicht.

Ich finde das auch menschlich, dass man das nicht akzeptieren will, dass man es nicht mehr schafft – du hast das ja früher geschafft. Aber jetzt ist man eben alt, der Körper verfällt eben. Das ist eben so. Man hat es letztes Jahr noch geschafft, da ist man die lächerlichen 120 km noch gefahren, aber dieses Jahr ist es eben nicht mehr. Es ist auch wichtig, dass man diesen Ehrgeiz verliert. Zum Beispiel bin ich bei so einem Stadtrennen teilweise noch mitgefahren. Dass man sagt, „Da musst du jetzt gar nicht unter den ersten sein“ –am Anfang sagt man, „nicht unter den ersten 50“, hinterher sagt man, „unter den ersten 500“ oder so etwas. Aber dass man sich auch mal überholen lässt, weil man einfach nur Spaß hat. Das ist schwer. Ich finde nicht, dass das hilft, wenn man so etwas ehrgeizig macht. Das muss Spaß machen und ich glaube nicht, dass es Spaß macht, wenn man immer nur auf Überforderung oder auf Sieg oder auf Höchstleistung trainiert. Sondern wenn man einfach trainiert, weil man es einerseits für sinnvoll hält und es anderseits jedenfalls Spaß macht. Das ist so etwas Kombiniertes.

Andreas Hempler
Das Interview wurde am 05.06.2013 geführt.

Andreas Hempler ist 51 Jahre alt. In den letzten 25 Jahren hatte er mehrfach starke Ischialgie-Vorfälle. Anstelle von Medikamenten geht Andreas Hempler mit Rückenübungen und progressiver Muskelrelaxation gegen die Schmerzen an. Außerdem versucht er, insgesamt mehr Bewegung und Stressausgleich in sein Leben zu integrieren.

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